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Kriegsdienstverweigerung

23.02.2026

Veranstaltung zum 4. Jahrestag des Ukraine-Kriegs

„Stoppt das Töten“ – Stimmen aus der Ukraine und Russland fordern Schutz für Kriegsdienstverweiger*innen und neue diplomatische Initiativen

Unter dem Titel „Stoppt das Töten – Stimmen aus der Ukraine und Russland“ lud das Aktionsbündnis „Stoppt das Töten“ zu einer vielbeachteten Online-Veranstaltung mit über 200 Teilnehmenden ein. Aktivistinnen, Wissenschaftlerinnen und Vertreterinnen der Friedensbewegung aus der Ukraine, Russland und Deutschland kamen zusammen, um über die humanitären Folgen des Krieges, die Situation von Kriegsdienstverweige*rinnen und Perspektiven für eine Beendigung der Gewalt zu sprechen.

Eindringlich schilderte Dr. Angelika Claußen, Vorsitzende der Internationale Ärzt*innen für die Verhütung des Atomkrieges (IPPNW), die gesundheitlichen und psychosozialen Folgen des Krieges. Sie machte deutlich, dass bewaffnete Konflikte langfristige Traumatisierungen hinterlassen und zivile Infrastrukturen massiv zerstören: „Vier Jahre Krieg in der Ukraine. Vier Jahre Leid, Tod und Zerstörung.
Wenn wir den Blick auf das Leid zulassen, wird eines deutlich: Dieser Krieg muss beendet werden. Als Friedensbewegung fordern wir politische Konsequenzen und das bedeutet einen Strategiewechsel der deutschen und der europäischen Politik. Der Krieg zwischen Russland und der Ukraine muss angesichts der katastrophalen humanitären Folgen für die Soldaten, die Zivilbevölkerung und die Umwelt schnellstmöglich beendet werden.“

Aus der Ukraine berichtete Andrii Konovalov über die Lage von Kriegsdienstverweiger*innen in seinem Land. Er beschrieb die rechtlichen Einschränkungen, den gesellschaftlichen Druck und die schwierige Situation von Menschen, die sich dem Militärdienst entziehen wollen. Trotz aller Hindernisse gebe es weiterhin Stimmen, die auf zivile Konfliktlösungen und internationale Solidarität setzen:
„Nach dem UN-Zivilpakt darf das Recht auf Kriegsdienstverweigerung aus Gewissensgründen weder eingeschränkt noch außer Kraft gesetzt werden. Dieses Recht ist auch in der Verfassung der Ukraine verankert.
Das ukrainische nationale Recht beschränkt jedoch dieses verfassungsmäßige Recht unzulässig auf bestimmte religiöse Überzeugungen und schließt andere aus, was den Verpflichtungen zu Gleichheit vor dem Gesetz und Nichtdiskriminierung gemäß dem UN-Zivilpakt widerspricht. Zwischen Januar und Juni 2025 registrierte die Generalstaatsanwaltschaft der Ukraine mehr als 125.000 Fälle von Männern, die wegen Desertion oder unerlaubten Verlassens einer Militäreinheit angeklagt wurden. Insgesamt stehen über 2 Millionen Personen wegen Wehrdienstentziehung zur Fahndung.“

Einen Einblick in die Situation in Russland gab Artem Klyga von Connection e.V. Er schilderte die zunehmende Repression gegen Deserteur*innen und Friedensaktivist*innen sowie die Risiken, denen sich Menschen aussetzen, die öffentlich gegen den Krieg auftreten. Gleichzeitig verwies er auf Unterstützungsstrukturen, die Betroffenen helfen, das Land zu verlassen oder sich rechtlich zu verteidigen: „Wer in Russland eine Staatsbürgerschaft oder Aufenthaltsgenehmigung will, muss unterschreiben, dass er Militärdienst leistet. Die Mobilisierung war 2022 nicht vorbei, sondern die Regierung sucht immer neue Wege, Menschen zu rekrutieren.           
Viele Russen werden mit falschen Versprechungen an die Front geschickt, z.B. angeblich um bestimmte Anlagen (z.B. Kraftwerk) zu schützen. In Russland gab es 2025 11.500 Strafverfolgungsfälle wegen Desertion oder Verlassen des Militärs.“

Dr. Anke Giesen von Memorial Deutschland hob hervor, wie stark unabhängige zivilgesellschaftliche Arbeit in Russland unter Druck steht. Dennoch gebe es weiterhin Engagement gegen Krieg und Militarisierung, das internationale Aufmerksamkeit und Unterstützung benötige:             
„Es gibt in Russland eine Erziehung hin zum Krieg. Wer den Krieg Krieg nennt, statt Spezialoperation, kann zu erheblichen Strafen verurteilt werden. Die Beschränkungen sind seit 2022 Stück für Stück eingeführt worden. Die russische Gesellschaft ist in gewisser Weise resilient gegen Repressionen. Sie versucht Blockaden zu umgehen und informiert zu bleiben. Man bringt selbstgemachte Plakate und Graffitis im öffentlichen Raum an. Über verschlüsselte Messenger wird Information weiter gegeben. Es gibt immer noch mutige Menschen, die sich auf Kanälen gegen den Krieg aussprechen. Es werden Briefaktionen für öffentlich Gefangene initiiert. Es gibt noch Leute, die Einzelmahnwachen machen. Es gibt ein Netzwerk zur Unterstützung politischer Verfolgter in Russland, z.B. für Kriegsdienstverweigerer oder verschleppte Ukrainer*innen.“

Eine analytische Einordnung lieferte der Soziologe Dr. Volodymyr Ishchenko von der Freien Universität Berlin. Er sprach über gesellschaftliche Dynamiken in der Ukraine, die Rolle sozialer Bewegungen und die Spannungen zwischen Sicherheitslogik und zivilgesellschaftlichem Engagement:
„Die Stimmung in der ukrainischen Bevölkerung ändert sich. Zuerst waren sie enthusiastisch, aber nach 4 Jahren Krieg sind die Ukrainer*innen kriegsmüde. Eine Gruppe von Ukrainer*innen, die Einfluss haben, sind laut und bestimmen die Debatte und vertreten ihre Interessen, aber sie stellen nicht die Mehrheit der Bevölkerung. Bisher sind die kritischen Stimmen aber nicht organisiert. Es gibt keine politische Vertretung dieser Stimmen. Selbst im engen Zirkel um Präsident Selensky gibt es die Meinung, dass die Ukraine nicht so weitermachen kann: weder politisch, ökonomisch noch gesellschaftlich. Es gibt Widerstand in der Ukraine, aber dieser ist nicht organisiert, eher spontan und wird nicht repräsentiert.“

In der Diskussion wurde deutlich: Wer sich dem Töten verweigert, braucht Schutz – unabhängig von seiner Staatsangehörigkeit. Das Aktionsbündnis „Stoppt das Töten“ forderte daher neben der Unterstützung und Stärkung demokratischer Strukturen in Russland und der Ukraine, auch sichere Aufnahmeprogramme für Deserteur*innen und Kriegsdienstverweiger*innen sowie verstärkte diplomatische Bemühungen für einen Waffenstillstand.

Das Aktionsbündnis „Stoppt das Töten“ wird getragen von:

  1. Aktionsgemeinschaft Dienst für den Frieden (AGDF)
  2. attac Deutschland
  3. Bund für Soziale Verteidigung (BSV)
  4. Church and Peace
  5. Deutsche Friedensgesellschaft – Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen (DFG-VK)
  6. Netzwerk Friedenskooperative
  7. NaturFreunde Deutschlands
  8. Ohne Rüstung Leben (ORL)   

Für Interviews oder bei Nachfragen nehmen Sie bitte jederzeit Kontakt zu uns auf:
Michael Schulze von Glaßer (pol. Geschäftsführer der DFG-VK): +4917623575236, svg@dfg-vk.de

Pressemitteilung des „Stoppt das Töten“-Bündnisses, Stuttgart, 22. Februar 2026

Kategorie: Aktuelle Kriegsgebiete, Allgemein, Anti-Militarisierung, Kriege & Konflikte, Kriegsdienstverweigerung, Pazifismus und Antimilitarismus, Pressemitteilung, Zivile Konfliktlösung Stichworte: Stoppt das Töten, Ukraine

15.01.2026

Neuer Höchststand! Steigende Kriegsdienstverweigerungen zeigen wachsende Ablehnung von Zwangsdiensten

Hinweis: Eine Nachfrage beim Bundesamt für Personalmanagement der Bundeswehr ergab, dass bis November 2025 sogar 6.739 KDV-Anträge bei ihnen eingegangen sind – noch nicht alle wurden an das zuständige Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben (BAFzA) weitergeleitet. In unserer folgenden Pressemeldung werden nur die Zahlen der KDV-Anträge genannt, die nach einer absolvierten Musterung bereits beim BAFzA zur Entscheidung vorliegen.

Die Deutsche Friedensgesellschaft – Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen (DFG-VK) sieht sich durch aktuelle Medienberichte deutlich bestätigt: Laut einem Bericht der „Augsburger Allgemeinen“ ist die Zahl der Anträge auf Kriegsdienstverweigerung innerhalb kurzer Zeit um mehr als 70 Prozent gestiegen. Für die DFG-VK ist dies ein klares gesellschaftliches Signal gegen die politische Debatte um die Wiedereinführung oder Ausweitung von Wehr- und Zwangsdiensten.

„Diese Zahlen sprechen eine eindeutige Sprache“, erklärt Marius Pletsch, Bundessprecher der DFG-VK. „Immer mehr Menschen – insbesondere junge – wollen nicht Teil militärischer Strukturen werden und lehnen es ab, zum Dienst an der Waffe gezwungen zu werden.“ Die steigenden Verweigerungszahlen seien keine Randerscheinung, sondern Ausdruck einer tiefen Verunsicherung und eines wachsenden Unbehagens angesichts zunehmender Militarisierung. Die Zahlen bilden zudem nur einen Teil der Realität ab, da viele Anträge bei der Bundeswehr hängen, da sie ungediente Antragsstellende mustert und erst nach dem Musterungsergebnis die Anträge an das eigentlich zuständige Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben weiterleitet.

Die DFG-VK kritisiert, dass die Bundesregierung trotz dieser Entwicklung weiter an Konzepten festhält, die faktisch auf eine neue Wehrpflicht hinauslaufen. Statt die steigende Zahl von Verweigerungen ernst zu nehmen, werde versucht, junge Menschen frühzeitig an die Bundeswehr zu binden und gesellschaftlichen Druck aufzubauen.

„Das Grundrecht auf Kriegsdienstverweigerung ist ein hohes Gut“, betont Ralf Buchterkirchen, ebenfalls Bundessprecher der DFG-VK. „Es darf weder ausgehöhlt noch bürokratisch erschwert werden.“ Die DFG-VK weist darauf hin, dass viele Betroffene aktuell unsicher seien, welche Rechte sie haben und wie ein Verweigerungsantrag gestellt werden kann. Genau hier setzt die DFG-VK mit Beratungsangeboten und Informationsportalen, wie www.verweigern.info, an. Die Website verzeichnete im Jahr 2025 über 850.000 Zugriffe.

Aus Sicht der DFG-VK zeigt der starke Anstieg der Verweigerungsanträge vor allem eines: Sicherheit lässt sich nicht durch Zwang, Aufrüstung und Militarisierung schaffen. „Was wir brauchen, sind Investitionen in zivile Konfliktbearbeitung, soziale Sicherheit und eine aktive Friedenspolitik – nicht neue Formen der Wehrpflicht“, so Marius Pletsch.

Die DFG-VK fordert die Politik auf, die Signale aus der Gesellschaft ernst zu nehmen, auf weitere Schritte in Richtung Zwangsdienste zu verzichten und stattdessen das Recht auf Kriegsdienstverweigerung zu stärken.

Pressekontakt:
Michael Schulze von Glaßer
E-Mail: office@dfg-vk.de 
+49176 23575236

Pressemitteilung der Deutschen Friedensgesellschaft – Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen, Stuttgart 15. Januar 2026

Kategorie: Anti-Militarisierung, Bundeswehr abschaffen, Kriegsdienstverweigerung, Pressemitteilung Stichworte: Bundeswehr, KDV, Kriegsdienst, Kriegsdienstverweigerung

05.12.2025

Spende gegen den neuen Kriegsdienst


Liebe Friedensfreund*innen,

es sind erschreckende Zeiten: Der Krieg in der Ukraine fordert täglich neue Opfer und an den Grenzen zwischen Russland und der NATO könnte es jederzeit zur Eskalation kommen. In Deutschland herrscht nahezu eine Kriegshysterie – die deutsche Armee kann unendlich aufrüsten und nun soll sogar die Wehrpflicht wieder eingeführt werden!

Wir halten mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln dagegen: Wir „bearbeiten“ Politiker*innen in den Parlamenten, haben im Oktober bei großen Demonstrationen zehntausende Menschen gegen die Aufrüstung auf die Straße gebracht und helfen jungen Menschen, Reservist*innen und aktiven Soldat*innen wieder massenhaft bei der Kriegsdienstverweigerung (KDV)!

Bereits in den letzten Jahren haben wir wieder ein Netz aus ehrenamtlichen KDVBerater*innen aufgebaut: DFG-VK-Mitglieder, die Menschen (vor allem junge Erwachsene aber auch besorgte Eltern) Fragen zum bevorstehenden „neuen Wehrdienst“ beantworten und ihnen beim Stellen eines Verweigerungsantrags helfen.

Wenn die Armee ab 2026, wie Anfang Dezember vom Bundestag beschlossen, Fragebögen an junge Menschen verschickt und ab Juli 2027 wieder Zwangsmusterungen junger Männer durchführt, wird der Ansturm auf unsere Beratung noch größer werden. Daher wollen wir unser Netzwerk stärken – und brauchen dafür deine Unterstützung!

Werde in dem Bereich aktiv oder unterstütze die KDV-Arbeit finanziell! Um Menschen auch in der Fläche des Landes zu erreichen, planen wir für nächstes Jahr eine KDV-Tour mit unserem Friedensfahrzeug. Auch um das zu realisieren brauchen wir Unterstützung! Mehr Informationen über beide Spendenprojekte findest Du auf dem Infoblatt.

Vielen Dank für deine Aufmerksamkeit! Wir wünschen dir eine gute Adventszeit!

Ralf Buchterkirchen (Bundeskassierer der DFG-VK)


Kriegsdienstverweigerungsberatung stärken – Netzwerk ausbauen!

Stichwort: KDV-Beratung
Spendenziel: 6.000 Euro

Im Mai dieses Jahres hatte unsere Info-Website zu Kriegsdienstverweigerung – www.verweigern.info – 25.000 Aufruf, im August waren es schon 55.000 und im September sogar über 125.000 Aufrufe! Gleichzeitig gibt es zahlreiche E-Mail-Anfragen an unsere ehrenamtlichen Berater*innen: In fast jedem Bundesland gibt es mittlerweile DFG-VK-Mitglieder, die Fragen zum „neuen Wehrdienst“ beantworten und Tipps für Verweigerungsanträge geben.

Da die Zahl der Anfragen absehbar steigen wird, müssen wir unser Beratungsnetzwerk massiv verstärken: Wenn Du Lust hast einzusteigen, melde Dich (verweigerung@dfg-vk.de)! Um weitere Schulungen durchführen zu können, einen KDV-Kongress zu organisieren und Materialien zu erstellen, brauchen wir außerdem finanzielle Unterstützung.

Junge Menschen, ihre Eltern aber auch ehemalige und sogar aktive Soldat*innen haben große Sorgen – wir helfen ihnen dem Zwang zum Dienst an der Waffe zu entgehen oder aus der Armee auszutreten. Hilf dabei! Werde in der KDV-Beratung aktiv und/oder unterstütze das Engagement durch Deine Spende!



KDV-Mobil-Touren – Aufmerksam machen auf Kriegsdienstverweigerung!

Stichwort: KDV-Tour
Spendenziel: 9.000 Euro

Auch wenn das Thema gerade viel in den Medien ist: Viele junge Menschen wissen nicht, dass man den von der Regierung geplanten „neuen Wehrdienst“ verweigern kann. Es gibt heute keine „Kriegsdienstverweigerungskultur“ mehr, so wie es sie früher einmal gewesen ist. Ja, viele junge Menschen kennen nicht Mals mehr das Wort „Kriegsdienst“, sondern lediglich „Wehrdienst“ oder „Wehrpflicht“.

Das wollen wir ändern; uns sichtbar machen; junge Menschen aufklären und sie für KDV gewinnen!

Dazu wollen wir im nächsten Jahr unser Friedensmobil mit seinem über 5 Meter großen zerbrochenen, aufblasbaren Gewehr auf Tour durch die Republik schicken. In so vielen Städten wie möglich soll es Infostände samt direktem Beratungsangebot geben.

Auch das kostet Geld – etwa der Betrieb des Friedensmobils und (wenn es nicht privat geht) die Unterbringung unseres Fahrers Franzi (Foto). Daher sind wir zur Realisierung der Touren auf Spenden angewiesen: Mit 150 Euro können wir für einen Tag die Kosten decken. Unser Ziel ist es bis Mitte des Jahres an 60 Orten KDV-Aktionen durchzuführen! Du kannst die Tour mit einer Spende auch zu Dir holen – nimm dazu Kontakt zu Franzi auf (fgr@dfg-vk.de).

Hilf dabei, die KDV-Tour Realität werden zu lassen und so viele Menschen wie möglich auf die Möglichkeit der Kriegsdienstverweigerung aufmerksam zu machen!



Große Proteste: Viele Aktionen – wie hier zur ersten Lesung des sogenannten Wehrdienstmodernisierungsgesetzes – wären ohne unser Transportfahrzeug und unseren Fahrer Franzi (rechts im Bild) nicht möglich.


Spenden Weihnachten 2022


Kategorie: Allgemein, Anti-Militarisierung, Kriegsdienstverweigerung, Pazifismus und Antimilitarismus Stichworte: Friedensbulli, Kriegsdienstverweigerung, Spendenaktion, Spendenaufruf, Wehrdienst

02.12.2025

Schulstreik und weitere Aktionen am 5. Dezember

Am 5. Dezember 2025 rufen Schülerinnen und Schüler zu einem bundesweiten Schulstreik gegen die Wehrpflicht auf – und viele tausend Jugendliche machen mit. Hintergrund ist die geplante Wiedereinführung der Wehrpflicht: An dem Tag soll im Bundestag über das entsprechende Gesetz abgestimmt werden.

Mit dem Schulstreik wollen junge Menschen ein klares Zeichen setzen gegen Zwangs­dienst, Militarisierung und die Einschränkung individueller Lebensplanung. Viele sehen in der Rückkehr zur Wehrpflicht nicht nur eine sicherheitspolitische, sondern eine fundamentale gesellschaftliche Entscheidung – und sie wollen aktiv mitentscheiden, wie ihre Zukunft aussehen soll.

Wir unterstützen die Proteste aktiv. Bereits in den letzten Monaten haben wir gegen die Wehrdienstpläne der Bundesregierung protestiert, vor dem Verteidigungsministerium symbolisch Erfassungsbögen geschreddert und deutlich gemacht, dass wir Zwangsdienste für unvereinbar mit einer freien, demokratischen Gesellschaft halten. An den dezentralem Schulstreik-Aktionen am 5. Dezember beteiligen sich zahlreiche Orts- und Regionalgruppen unseres Verbands.

In Berlin werden wir zusätzlich am 5. Dezember mit weiteren Organisationen am Morgen (8.30 Uhr) vor dem Bundestag gegen die Einführung des Wehrdienst-Modernisierungsgesetzes, wie es offiziell heißt, protestieren, bevor ab Mittags auch dort die Schulstreik-Aktionen von uns unterstützt werden.

Wir stehen solidarisch mit den Jugendlichen, die für Frieden, Selbstbestimmung und eine demokratische Gesellschaft eintreten. Insbesondere alle jungen Menschen ab dem Jahrgang 2008 rufen wir schon jetzt zur Kriegsdienstverweigerung auf – und begleiten sie bei dem Ablauf. Alle Informationen dazu gibt es auf: www.verweigern.info

Kategorie: Allgemein, Anti-Militarisierung, Kriegsdienstverweigerung, Pazifismus und Antimilitarismus, Theorie & Praxis Stichworte: KDV, Kriegsdienst, Kriegsdienstverweigerung, Wehrdienst, Wehrpflicht

26.11.2025

Zunehmende Hürden bei der Kriegsdienstverweigerung

Die Deutsche Friedensgesellschaft – Vereinigte Kriegsdienstgegner*innen (DFG-VK) wird gerade mit Anfragen zur Kriegsdienstverweigerung überflutet. Bereits in den letzten Monaten hat sie tausende Menschen beraten und bei ihren KDV-Verfahren begleitet. Die Bundeswehr baut jedoch zunehmend Hürden für die Verweigerung auf, bemängelt die Organisation.

„Bislang musste man ein Anschreiben, einen tabellarischen Lebenslauf und die Verweigerungsbegründung bei der Bundeswehr einreichen“, erklärt Michael Schulze von Glaßer, Geschäftsführer der DFG-VK: „Seit wenigen Wochen verlangen die zuständigen ‚Karrierecenter‘ der Bundeswehr auch noch eine Kopie des Personalausweises – teilweise sogar der Geburtsurkunde“, bemängelt Schulze von Glaßer. „Da werden Hürden erhöht“, kritisiert der Friedensaktivist das Militär.

Die Organisation hat mittlerweile ein ganzes Netz an ehrenamtlichen Berater*innen aufgebaut und bietet mit www.verweigern.info eine Website mit aktuellen Informationen zur Kriegsdienstverweigerung an: „Wir rufen alle ab dem 1. Januar 2008 geborenen Männer dazu auf den neuen Wehrdienst schon jetzt zu verweigern“, so Schulze von Glaßer. Dann müssten sich die jungen Menschen zwar freiwillig mustern lassen, ab 2027 sollen diese laut den aktuellen Plänen der Bundesregierung aber sowieso zwangsgemustert werden.

Wer nach der Musterung als „untauglich“ eingestuft wird, ist vom Kriegsdienst befreit. Wer als „tauglich“ eingestuft wird, dessen KDV-Antrag wird bearbeitet: „Aktuell ist die Chance auf Anerkennung als Kriegsdienstverweigerer hoch“, berichtet der DFG-VK Geschäftsführer über die Erfahrungen der Berater*innen in seinem Verband. Gleichzeitig melden die Berater*innen zunehmend lange Wartezeiten für Musterungen, mitunter bis zu sechs Monaten. „Solche Verzögerungen dürfen jedoch nicht dazu führen, dass junge Menschen an der Ausübung ihres Grund- und Menschenrechts auf Kriegsdienstverweigerung gehindert werden“, betont Michael Schulze von Glaßer von der DFG-VK.

Pressekontakt:
Michael Schulze von Glaßer (pol. Geschäftsführer der DFG-VK): +4917623575236, svg@dfg-vk.de

Pressemitteilung der Deutschen Friedensgesellschaft – Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen, Stuttgart 26. November 2025

Kategorie: Anti-Militarisierung, Kriegsdienstverweigerung, Pressemitteilung Stichworte: KDV, Kriegsdienst, Kriegsdienstverweigerung, Wehrdienst, Wehrpflicht

14.11.2025

Ziviler Ungehorsam gegen neuen Wehrdienst

Die „Deutsche Friedensgesellschaft – Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen“ (DFG-VK) lehnt das „Wehrdienst-Modernisierungsgesetz“ der Bundesregierung rigoros ab: Mit der geplanten Zwangserfassung und Zwangsmusterung ganzer Jahrgänge werde in die Freiheits- und Persönlichkeitsrechte eines jeden Einzelnen in unverhältnismäßiger Weise eingegriffen.

Das ab 1. Januar 2026 geltende Gesetz sieht in der der ersten Phase vor, dass vom Jahrgang 2008 beginnend alle Männer und Frauen ein Schreiben erhalten, in dem sie eine Bereitschaftserklärung zum freiwilligen Wehrdienst mittels Fragebogen abgeben sollen. Für Männer ist die Abgabe verpflichtend. Die DFG-VK ruft zum zivilen Ungehorsam gegen diese Zwangsmaßnahme auf: Man müsse nicht sofort alles erfüllen, was das Militär von einem verlangt. Der erste Bundeswehr-Brief, der bei einem eingeht, könne entweder verspätet, unvollständig oder gar nicht abgegeben werden – auch das Schreddern des Briefs aus Protest sei möglich. Erst, wenn auch der Erinnerungsbrief nicht beantwortet werde, droht ein Bußgeld wegen Ordnungswidrigkeit – ob es sich dabei lediglich um wenige Euro oder um einen höheren Betrag handelt, ist noch nicht klar. Je mehr Sand ins Getriebe der Bundeswehr gestreut wird, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass auf die Person verzichtet wird. Denn Störenfriede kann die Truppe nicht brauchen.

Protestaktion am 10. Februar 2025 auf der Marschallbrücke gegenüber des Bundestags in Berlin.

In der zweiten von der Bundesregierung geplanten Phase soll ab 1. Juli 2027 dann der ganze Jahrgang zwangsgemustert werden. Auch dieser Zwangsmaßnahme kann man durch zivilen Ungehorsam begegnen und etwa nicht zum aufgeforderten Termin erscheinen. Dabei ist allerdings mit Repressionen zu rechnen.

Alle, die noch einen Schritt weiter gehen möchten, rät die DFG-VK schon jetzt zur proaktiven Kriegsdienstverweigerung: „Wer rechtzeitig den KDV-Antrag stellt, muss keinen Dienst leiten und zeigt, dass er nicht bereit ist im Kriegsfall seinen Kopf für eine verfehlte Politik hinzuhalten“, so Ralf Buchterkirchen, Bundessprecher der DFG-VK. Schon jetzt ist es Zivilisten, die noch nicht gemustert wurden, möglich einen KDV-Antrag zu stellen – die DFG-VK bietet dazu kostenlose Informationen und Beratungen an: www.verweigern.info

„Wir wenden uns entschieden gegen jede Art der Kriegsvorbereitung und Mobilisierung“, erklärt Ralf Buchterkirchen. Die DFG-VK unterstützt Kriegsdienstverweigerer*innen und Deserteur*innen weltweit und stellt sich gegen jeden Zwangsdienst: „Niemand sollte lernen seine Mitmenschen umzubringen“, so Buchterkirchen. Die Politik müsse die Gesellschaft friedenstüchtig und nicht kriegstüchtig machen und den Jugendlichen eine friedenspolitische Alternative bieten, die ihren Vorstellungen entspricht. „Junge Menschen in Deutschland haben schon in der Coronakrise zurückgesteckt und werden an den massiven Folgen der Klimakatastrophe leiden“, bedauert der DFG-VK Bundessprecher. „Jetzt wird ihnen noch die enorme Schuldenlast für die immense Aufrüstung aufgebürdet und schlussendlich sollen sie in den Krieg ziehen.“ Davor kann eine sofortige Kriegsdienstverweigerung schützen und ein deutliches Signal an die Bundesregierung senden.

Pressekontakt:
Michael Schulze von Glaßer (pol. Geschäftsführer der DFG-VK): svg@dfg-vk.de

Pressemitteilung der Deutschen Friedensgesellschaft – Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen, Stuttgart 14. November 2025

Kategorie: Anti-Militarisierung, Kriegsdienstverweigerung, Pazifismus und Antimilitarismus, Rekrutierung der Bundeswehr, Theorie & Praxis Stichworte: Kriegsdienst, Kriegsdienstverweigerung, Verweigern, Wehrdienst, Wehrpflicht

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