Zur Klärung eines politischen Begriffs
http://de.wikipedia.org/wiki/Wolfram_Beyer
von Wolfram Beyer
Es ist sinnvoll von Zeit zu Zeit politische Positionen zu reflektieren, bzw. politische Begriffe zu klären. Kann der Begriff Pazifismus heute für uns von Bedeutung sein?
Der Begriff
Das Wort Pazifismus wurde zuerst 1901 von E. Arnaud in der Tageszeitung Indépendance Belge gebraucht. Als Pazifisten sollten die Anhänger der Friedensbewegung bezeichnet werden, die mit individuellen und kollektiven Mitteln, für friedliche, zwischenstaatliche Konfliktaustragung eintreten, mit dem Ziel einer auf Recht gegründeten Völker- und Staatengemeinschaft.
Unter diesem Begriff wurden auch bisherige Teilziele der Friedensbewegung wie internationale Schiedsgerichtsbarkeit, Abrüstung, Zusammenschluß der Nationen Europas und der Welt, Völkerkongreß etc. zusammengefaßt.
Pazifismus und Antimilitarismus
Was ist eigentlich Anti-Militarismus

Im Anti-Militarismus (AMI) lassen sich im wesentlichen zwei Entwicklungslinien der Kritik am Militarismus ausmachen, die bis in die Mitte des 19. Jahrh. zurückreichen. Es sind die politischen Theorien des Liberalismus und des Sozialismus.
von Wolfram Beyer
Friedensgedicht – Für das Leben! „Bist du das Gesicht?“
von Monika Riemer
Bist du das Gesicht, dass ich kürzlich,
während der Tagesschau für zwei Sekunden in der Fotogalerie des Todes –
zum traurigen Medien-Star aufleuchten sah?
Bald vier Jahre ist es nun her:
Ich stand vor dir im Zug nach Berlin.
Es war ein sonniger, schöner Tag.
Du schautest mich an:
Lachend, mit stolzem Gesicht.
Fest eingedrückt in Kameraden-Schar.
Spiel-Karten in der Hand . –
Wie alle jungen Soldaten vor dir der letzten hundert Jahr‘;
in vollgestopften Zügen,
die sie nicht schnell genug aus dem Frieden fortreißen konnten.
Du hast mich erinnert an meinen Sohn,
der jetzt wohl so alt ist wie du damals warst.
Maj Britt Theorin: Kein Klima des Friedens ohne volle Beteiligung von Frauen
Seit dem Jahr 411 vor unserer Zeitrechnung (als Aristophanes das Drama Lysistrate schrieb) bis heute bekommen Frauen zu hören, sie sollten sich in die Kriege der Männer und ihre Friedensabkommen nicht einmischen. Aber mensch kann keinen dauerhaften Frieden schaffen, ohne die Hälfte der Weltbevölkerung an der Lösung von Konflikten, Vermittlungen und Friedensverhandlungen teilhaben zu lassen.
[Weiterlesen…] Infos zum Plugin Maj Britt Theorin: Kein Klima des Friedens ohne volle Beteiligung von FrauenDie Menschen entdecken ihre Stärke, wenn sie sich einig sind
Interview mit Gangolf Stocker, Sprecher des Aktionsbündnisses gegen das Projekt Stuttgart 21 (in ZivilCourage – Das Magazin für Pazifismus und Antimilitarismus – 4/2010)
Warum ist der Protest so groß und erfolgreich?
Weil Stuttgart 21 ein alle Bevölkerungsschichten übergreifendes Thema ist. Im Protest einigt sich z.B. die so genannte (wohlhabende) Halbhöhenlage mit dem (armen) Stuttgarter Osten. Alle sind gut informiert. Es gibt viele „Zugänge“ zum Protest gegen Stuttgart 21. Den Einen geht’s ums Mineralwasser, anderen um den Bonatzbau, die Bäume, wieder anderen, wie mir, um den Erhalt eines funktionierenden Bahnknotens. Die Bürger wollen ihre Zukunft und ihre Stadt mitgestalten. Allen gemeinsam ist die Wut auf die Regierenden, die das Volk einfach ignorieren. Und ein Erfolgsrezept ist, dass wir einen kulturvollen Protest haben, dass die Menschen im Protest lernen. Wir reden miteinander, das ist auch Kultur, die Anonymität der Großstadt weicht einem Miteinander. Es ist eine Freude, am Button beim Einkaufen zu sehen, dass der bisher unbekannte Nachbar mit dabei ist. Die Montagsdemos sind zu einer Art Volkshochschule geworden. Am Zaun entfaltet sich der ganze Witz und Tiefgang der Gedanken, er ist ein Gesamtkunstwerk. Das macht Spaß. Die Menschen entdecken ihre Stärke, wenn sie sich einig sind.
Bei Abriss Aufstand – Die Schwaben proben die Revolution
Von Wolfgang Sternstein (für ZivilCourage – Das Magazin für Pazifismus und Antimilitarismus – 4/2010)
Wie kann die Umgestaltung des Bahnhofs der Landeshauptstadt Stuttgart einen derartigen Aufstand auslösen?“, so mag sich mancher Zeitgenosse fragen und sich verwundert die Augen reiben. Sind das noch die fleißigen, strebsamen und kreuzbraven Schwaben, die Baden-Württemberg zum „Musterländle“ der Republik gemacht haben? Gibt es denn wirklich keine wichtigeren Themen?
Es geht nur vordergründig um den Bahnhof und die 60 Kilometer lange Neubaustrecke Wendlingen-Ulm. Es geht vielmehr um Demokratie und gute Regierung, denn je länger der Konflikt andauert, desto mehr „Vetterleswirtschaft“, Kungelei und Filz kommen ans Licht. Es ist eine zornige Bürgerschaft, die sich da lautstark mit Trillerpfeifen, Vuvuzelas, Sirenen und Kochtöpfen Gehör verschafft und sich in langen Demonstrationszügen durch die Stuttgarter Innenstadt wälzt. Ungewöhnlich an diesem Protest ist die Mischung aus Zorn und Heiterkeit, Erbitterung und Volksfeststimmung. Sie äußert sich in einer Vielzahl von einfallsreichen, witzigen Transparenten, Plakaten, Luftballons und Verkleidungen. Bemerkenswert ist die breite Verankerung des Widerstands in der Bevölkerung. Alle Gesellschaftsschichten und Altersgruppen sind vertreten, von den Dreijährigen bis zu Rollator schiebenden Urgroßvätern und -müttern.