Von Wolfgang Sternstein (für ZivilCourage – Das Magazin für Pazifismus und Antimilitarismus – 4/2010)
Wie kann die Umgestaltung des Bahnhofs der Landeshauptstadt Stuttgart einen derartigen Aufstand auslösen?“, so mag sich mancher Zeitgenosse fragen und sich verwundert die Augen reiben. Sind das noch die fleißigen, strebsamen und kreuzbraven Schwaben, die Baden-Württemberg zum „Musterländle“ der Republik gemacht haben? Gibt es denn wirklich keine wichtigeren Themen?
Es geht nur vordergründig um den Bahnhof und die 60 Kilometer lange Neubaustrecke Wendlingen-Ulm. Es geht vielmehr um Demokratie und gute Regierung, denn je länger der Konflikt andauert, desto mehr „Vetterleswirtschaft“, Kungelei und Filz kommen ans Licht. Es ist eine zornige Bürgerschaft, die sich da lautstark mit Trillerpfeifen, Vuvuzelas, Sirenen und Kochtöpfen Gehör verschafft und sich in langen Demonstrationszügen durch die Stuttgarter Innenstadt wälzt. Ungewöhnlich an diesem Protest ist die Mischung aus Zorn und Heiterkeit, Erbitterung und Volksfeststimmung. Sie äußert sich in einer Vielzahl von einfallsreichen, witzigen Transparenten, Plakaten, Luftballons und Verkleidungen. Bemerkenswert ist die breite Verankerung des Widerstands in der Bevölkerung. Alle Gesellschaftsschichten und Altersgruppen sind vertreten, von den Dreijährigen bis zu Rollator schiebenden Urgroßvätern und -müttern.
Pazifismus und Antimilitarismus
Grenzenloses Spielen mit Kinect und Move
Neu Computerspiele verwischen den Unterschied zwischen Spiel und Realität
Von Philipp Leiber (für ZivilCourage – Das Magazin für Pazifismus und Antimilitarismus – 4/2010)
„Noch reeller; du bist im Spiel drin; als Spieler wirst du ein Teil des Spiels!“ – so beschreiben Publisher die Spielinnovationen Kinect und Move.
Die Zeiten, in denen wir als Gamer einen Controler in der Hand gehalten haben, scheinen vorbei zu sein. Zweifellos ist es sehr beeindruckend, sich selbst plötzlich in dem Spiel zu sehen. Es ist zwar schon länger möglich, sich seinen eigenen Spieler-Avatar zu erstellen, aber welcher Gelegenheitsspieler macht sich schon die Mühe, in einem Spiele-Setup stundenlang zwischen über 120 Augenbrauen, 800 Nasen oder 1.000 verschiedenen Frisuren hin und her zu zappen? Kurz gesagt, mit der neuen Technik ist genau das für jeden in Sekundenschnelle möglich, das Spiel tut es schlicht selbst (via Kamera, die auf dem Fernseher angebracht wird). Genau diese Kamera macht es auch möglich, mithilfe von Bewegungssensoren unsere Bewegungen zu erkennen und ins Spiel zu übertragen. Die Figur im Spiel hat nicht nur unser Gesicht, sondern macht auch dieselben Bewegungen wie wir – wir steuern also mit unserem Körper; das ist neu!
Die Friedens- und Konfliktforschung stärken – Deutsche Stiftung Friedensforschung ausbauen.
Rede der ehemaligen Bundesgeschäftsführerin der DFG-VK und des BSV Kathrin Vogler, heute immer noch aktiv in der Friedensbewgung und für uns im Bundestag (Fraktion DIE LINKE) heute im Bundestag:
ToP 23 Die Friedens- und Konfliktforschung stärken – Deutsche Stiftung Friedensforschung ausbauen.
Herr/ Frau Präsidentin
Liebe Kolleginnen und Kollegen,
für die Fraktion DIE LINKE bedanke ich mich beim Kollegen Röspel und der SPD-Fraktion für diesen Antrag. Ich will begründen, warum ich ihn für notwendig, aber nicht hinreichend halte.
Friedensforschung ist für uns untrennbar verbunden mit großen Wissenschaftlern wie Albert Einstein, Joseph Weizenbaum bis hin zu Hans-Peter Dürr und den Göttinger 18. Menschen, die aus humanistischer und pazifistischer Überzeugung sich in ihrer Wissenschaft und der Friedensforschung gegen alle Anfeindungen hinweg für den Frieden forschend und lehrend engagierten.
So heißt es in der Erklärung der Göttinger 18 von 1957, zu denen unter anderen die Nobelpreisträger Heisenberg, Hahn und Born sowie von Carl-Friedrich von Weizsäcker zählten: „Jedenfalls wäre keiner der Unterzeichner bereit, sich an der Herstellung, der Erprobung oder dem Einsatz von Atomwaffen in irgendeiner Weise zu beteiligen.“
Friedenstauben und Soldatengeschick
Welche Wege schlägt die pazifistische Bewegung ein? Anmerkungen zum Antikriegstag 2010
Von Peter Bürger
Mit schöner Regelmäßigkeit zeigen Umfragen, dass eine sehr deutliche Mehrheit der Menschen in diesem Land den Afghanistan-Krieg ablehnt. Militarismus und Kriegsbegeisterung sind in der Zivilgesellschaft allenfalls als Randerscheinungen auszumachen. Dass die Bundeswehr ihre Propaganda-Aktivitäten immer aggressiver in Schulen, Arbeitsämtern, Kommunen, Medien etc. unterzubringen versucht, spricht m.E. gerade für eine solche Diagnose. Doch trotz alledem: die Friedensbewegung kommt mit ihrem Protest nicht im öffentlichen Raum an.
PAXX – Peace Action Trainings 2010
Kreative Aktionen und gewaltfreier Protest – Aktionstrainings für die Friedensbewegung
http://www.dfg-vk.de/dateien/ZC-1002-WEB.pdf
für die ZivilCourage 2/2010
von Roland Blach
Der Einsatz für eine nichtmilitärische Abrüstungs- und Friedenspolitik ist notwendiger denn je: In Afghanistan eskaliert der Krieg mit deutscher Beteiligung. Die Ablehnung in der Öffentlichkeit wächst stetig. Personen und Organisationen der Friedensbewegung haben Vorschläge vorgelegt, wie durch Verhandlungen der kriegerische Konflikt bearbeitet werden kann. Diese müssen von der Regierung für eine schnelle Ausstiegsstrategie endlich genutzt werden.
US-Präsident Obama hat sich für eine atomwaffenfreie Welt ausgesprochen. Auch wenn die Bundesregierung den Abzug der Atomwaffen aus Deutschland plant, bedarf es des weiteren öffentlichen Drucks, damit die Atombomben wirklich abgezogen werden.
Deutschland ist auf Platz drei der weltweiten Waffenlieferanten aufgestiegen. Mit geeigneten Aktionen soll auf Einhaltung und Ausdehnung von Rüstungsexport-Restriktionen gedrängt werden, um Rüstungsexporte schließlich vollständig zu stoppen.
Libertärer Antimilitarismus tut Not
von Peter Bürger
Globales Kommunikationszeitalter oder Weltkriegsordnung? Ein pazifistischer Zwischenruf zum Antikriegstag 2010
Freiheitliche Verhältnisse und eine Militarisierung der Gesellschaft, wie sie sich insbesondere auch im Bereich der Alltags- und Massenkultur vollzieht, schließen einander aus. Moderne Technologie- und Kulturszenen müssen sich deshalb fragen, was sie der selektiven und formalistischen Freiheitspropaganda der neoliberalen Ära entgegensetzen können. Welche Visionen wir für die Weltgesellschaft des dritten Jahrtausends entwickeln, das hängt ganz entscheidend von unserer Stellungnahme zum Programm „Krieg“ ab.