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Kirche und Militär



Gegen die Zusammenarbeit der Kirche mit dem Militär

Die Militärseelsorge ist ein fester Bestandteil der Bundeswehr. Doch ihre Rolle ist umstritten: Kritiker sehen in ihr nicht nur seelsorgerische Begleitung, sondern auch eine Unterstützung militärischer Strukturen und Einsätze. Dieser Artikel beleuchtet zentrale Kritikpunkte und zeigt Möglichkeiten zum Engagement auf.

Militärpfarrer im Einsatz – zwischen Seelsorge und System

Militärpfarrer begleiten Soldatinnen und Soldaten auch in Auslandseinsätzen. Sie sind vor Ort, sprechen mit den Einsatzkräften und bieten religiöse und seelsorgerische Unterstützung. Für viele Soldaten vermittelt dies das Gefühl: Die Kirche steht an ihrer Seite – auch im Kriegsgebiet.

Wenn Soldaten im Einsatz sterben, übernehmen Militärpfarrer eine wichtige Rolle in der Trauerbegleitung. Sie sprechen mit Kamerad*innen und Angehörigen und gestalten Gedenkfeiern.

Kritiker bemängeln jedoch, dass diese Form der Begleitung auch dazu beiträgt, militärische Einsätze emotional abzusichern und die Moral der Truppe zu stärken.

Militärpräsenz in Kirchen und Öffentlichkeit

Auch innerhalb Deutschlands ist die Verbindung von Kirche und Militär sichtbar:

  • Jährlich finden zahlreiche Militärkonzerte in Kirchen statt – insbesondere in der Adventszeit. Schätzungen gehen von etwa 80 bis 150 Veranstaltungen pro Jahr aus. Dabei treten Militärmusikkorps der Bundeswehr auf, häufig im Rahmen von Benefizkonzerten.
  • Die Bundeswehr ist regelmäßig auf Großveranstaltungen wie dem Deutscher Evangelischer Kirchentag oder katholischen Katholikentagen präsent. Dort gibt es Militärgottesdienste sowie Informationsstände der Militärseelsorge.
  • Bundeswehrvertreter nehmen an Podiumsdiskussionen teil und werben für ihre Perspektiven auf Sicherheitspolitik und Auslandseinsätze.

Aus Sicht von Kritiker*innen trägt diese Präsenz dazu bei, militärische Strukturen in der Gesellschaft sichtbarer und akzeptabler zu machen.

Symbolik und Kritik

Das Hoheitszeichen der Bundeswehr ist das sogenannte „Eiserne Kreuz“. Kritiker sehen darin eine problematische Nähe zur christlichen Symbolik und werfen den Kirchen vor, diese Verbindung nicht ausreichend zu hinterfragen.

Struktur der Militärseelsorge

Die Militärseelsorge in Deutschland ist staatlich organisiert und finanziert, während die Kirchen für die inhaltliche Ausgestaltung verantwortlich sind. Sie umfasst:

  • rund 180 bis 200 Militärpfarrer
  • mehrere Militärdekanate
  • je einen evangelischen und einen katholischen Militärbischof
  • zentrale Einrichtungen wie das Evangelisches Kirchenamt für die Bundeswehr und das Katholisches Militärbischofsamt

Diese Ämter sind organisatorisch eng an das Verteidigungsministerium angebunden und werden aus dem Bundeshaushalt finanziert. Insgesamt kostet die Militärseelsorge schätzungsweise zwischen 45 und 60 Millionen Euro pro Jahr.

Historische Perspektive und Einordnung

In der christlichen Tradition gibt es unterschiedliche Positionen zum Verhältnis von Kirche und Militär. Während Teile der frühen Christen militärischen Dienst ablehnten, entwickelte sich spätestens seit dem 4. Jahrhundert eine enge Zusammenarbeit zwischen staatlichen und kirchlichen Institutionen.

Kritiker argumentieren, dass diese Verbindung bis heute fortbesteht und einer konsequent friedensorientierten Haltung widerspricht.

Zentrale Kritikpunkte

Aus Sicht von Friedensinitiativen ergeben sich mehrere Kritikpunkte:

  • Die enge Einbindung der Militärpfarrer in militärische Strukturen erschwert eine kritische Distanz
  • Militärseelsorge kann zur Stabilisierung und Legitimation militärischer Einsätze beitragen
  • Gewaltfreie Konfliktlösungen und pazifistische Positionen spielen eine zu geringe Rolle

Forderungen

Die Deutsche Friedensgesellschaft – Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen fordert eine grundlegende Veränderung:

  • Die Kirchen sollen die Seelsorge für Soldaten unabhängig vom Staat organisieren und finanzieren
  • Seelsorge sollte stärker auf Friedensethik und Gewaltfreiheit ausgerichtet werden
  • Soldatinnen und Soldaten sollen in ihrer Gewissensentscheidung – auch zur Kriegsdienstverweigerung – unterstützt werden

Was kannst du tun?

Du möchtest aktiv werden? Hier sind einige Möglichkeiten:

  • Informiere dich unter: www.dfg-vk.de/kirche-und-militaer
  • Engagiere dich in Initiativen wie der „Ökumenischen Initiative zur Abschaffung bzw. Reform der Militärseelsorge“
  • Sprich mit Verantwortlichen in deiner Kirchengemeinde, wenn Militärkonzerte geplant sind
  • Organisiere eigene Aktionen oder Gegenveranstaltungen
  • Protestiere gegen Bundeswehr-Werbung auf Kirchentagen

👉 Wenn du Mitstreiter*innen suchst oder Unterstützung brauchst, melde dich unter: kirche-ohne-militaer@dfg-vk.de

Archiv zum Thema „Kirche und Militär“

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  • Für einen Kirchentag ohne Bundeswehr-Werbung!06.01.2019
    Vom 19. bis 23. Juni 2019 findet in Dortmund der 37. Deutsche Evangelische Kirchentag statt. Die Bundeswehr betreibt dort Lobby-Arbeit und Image-Werbung. Vereinbar mit dem christlichen Glauben ist das nicht. Christ*innen und Friedensaktivist*innen rufen zu Protesten auf. Die „Deutsche Friedensgesellschaft – Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen“ (DFG-VK) ruft zum Protest gegen die Militär-Werbung auf dem Kirchentag in Dortmund… Für einen Kirchentag ohne Bundeswehr-Werbung! weiterlesen
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    Pressemitteilung: Die Bundeswehr macht nicht nur Werbung auf Ausbildungsmessen und auf Plakatwänden, sondern auch im kirchlichen Bereich. Denn die großen Kirchen sind für viele Menschen noch immer eine moralische Instanz. Die evangelischen und katholischen Volkskirchen haben gemeinsam noch immer 46 Millionen Mitglieder. Deshalb wirbt die Bundeswehr im Bereich der Kirche um Sympathie und Verständnis. Auf den… Gegen Bundeswehr-Werbung auf dem Evangelischen Kirchentag weiterlesen
  • Nordkirche: Gerechter Frieden kann nicht mit Waffen gewonnen werden27.02.2016
    Landessynode der Nordkirche Lübeck-Travemünde. Die Landessynode der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Norddeutschland (Nordkirche) hat heute (27. Februar) in Lübeck-Travemünde nach intensiver Diskussion eine Resolution zum Bundeswehreinsatz in Syrien beschlossen. Die Synodalen aus Schleswig-Holstein, Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern fordern die Bundesregierung auf, „diesen Einsatz militärischer Mittel umgehend zu beenden und stattdessen noch einmal genau zu prüfen, welche Instrumente… Nordkirche: Gerechter Frieden kann nicht mit Waffen gewonnen werden weiterlesen
  • Gastfreundschaft und Hilfsbereitschaft gegenüber Flüchtlingen muss bleiben02.11.2015
    Die Gastfreundschaft und Hilfsbereitschaft gegenüber Flüchtlingen darf nicht einer Fremdenfeindlichkeit und der Gewalt weichen. Dies betonte der Friedensbeauftragte des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland, Renke Brahms. Menschen in Not aufzunehmen und ihnen Hilfe zukommen zu lassen, ist seiner Ansicht nach ein Gebot der Humanität und der christlichen Verantwortung. „Wer vor Gewalt, Krieg und Verfolgung… Gastfreundschaft und Hilfsbereitschaft gegenüber Flüchtlingen muss bleiben weiterlesen
  • Zum Jubiläum „500 Jahre Reformation“ – unsere 34 Thesen01.06.2015
    Einige ChristInnen in der Deutschen Friedensgesellschaft – Vereinigte KriegsgegnerInnen zum Jubiläum „500 Jahre Reformation“ – 34 Thesen –
  • AGDF und EAK: Bundeswehrkonzerte haben in Kirchen nichts zu suchen15.12.2014
    Deutliche Kritik an Militärmusik in Kirchen, gerade auch in der Adventszeit, haben die beiden evangelischen Friedensverbände Aktionsgemeinschaft Dienst für den Frieden (AGDF) und Evangelische Arbeitsgemeinschaft für Kriegsdienstverweigerung und Frieden (EAK) geäußert. Bundeswehrkonzerte haben in Kirchen nichts zu suchen, heißt es in einer gemeinsamen Erklärung der beiden Verbände, die an den evangelischen Militärbischof Dr. Sigurd Rink… AGDF und EAK: Bundeswehrkonzerte haben in Kirchen nichts zu suchen weiterlesen
  • Einspruch: Für eine Frauenkirche ohne Militärmusik04.04.2014
    Wie die Dresdner Neuesten Nachrichten am 29./30.03.2014 mitteilten, wird die Bundeswehr „mit Pauken und Trompeten“ in die Dresdner Frauenkirche einziehen: Für den 30. April ist ein Musikalischer Gottesdienst mit dem Wehrbereichsmusikkorps III der Bundeswehr angekündigt. Dazu laden das Landeskommando Sachsen, das Sächsische Ministerium des Innern und die Stiftung Frauenkirche Dresden ein. Im musikalischen Repertoire wird… Einspruch: Für eine Frauenkirche ohne Militärmusik weiterlesen
  • Militärseelsorge? Abschaffen!21.02.2014
    Von Stefan Philipp Gott mit uns diesen Spruch machte das preußische Königtum im Jahr 1701 zu seiner Devise. Und brachte damit Gott auf die Schlachtfelder. Ab Mitte des 19. Jahrhunderts trug jeder preußische Soldat dieses Motto auf seinem Koppelschloss. In der Reichswehr der Weimarer Republik prangte es ab Mitte der Zwanziger Jahre auf jedem Koppelschloss,… Militärseelsorge? Abschaffen! weiterlesen
  • Keine Kriege ohne den Segen der Kirche21.02.2014
    Interview mit Rainer Schmid, evangelischer Pfarrer, DFG-VK-Mitglied und Initiator der Initiative zur Abschaffung der Militärseelsorge Du hast im Herbst 2012 die bundesweite „Ökumenische Initiative zur Abschaffung der Militärseelsorge“ mit gegründet. Wie kam es dazu?Ich war Pfarrer am Bodensee. Dort gibt es viele Rüstungsfirmen. Meine schmerzhafte Erfahrung war: Die beiden großen Kirchen lehnen die Herstellung von… Keine Kriege ohne den Segen der Kirche weiterlesen
  • Rezension – Wolfram Beyer (Hrsg.): Militärseelsorge abschaffen. Humanistische, christliche und pazifistische Argumente.24.12.2013
    Berlin 2013; 52 Seiten; 4 Euro von Stefan Philipp „Der Staat selbst hat an der Militärseelsorge ein echtes Eigeninteresse. Denn der Wert seiner Streitkräfte hängt vom Charakter und seelischen Einstellung der Soldaten nicht weniger ab als vom waffentechnischen Ausbildungsstand. Diese Eigenschaften werden aber bei den meisten Menschen von der religiösen Grundhaltung bestimmt.“ So wurde es… Rezension – Wolfram Beyer (Hrsg.): Militärseelsorge abschaffen. Humanistische, christliche und pazifistische Argumente. weiterlesen
  • Rezension – Wolfram Beyer (Hrsg.): Militärseelsorge abschaffen. Humanistische, christliche und pazifistische Argumente.20.12.2013
    http://www.militaerseelsorge-­abschaffen.de Berlin 2013; 52 Seiten; 4 Euro von Stefan Philipp „Der Staat selbst hat an der Militärseelsorge ein echtes Eigeninteresse. Denn der Wert seiner Streitkräfte hängt vom Charakter und seelischen Einstellung der Soldaten nicht weniger ab als vom waffentechnischen Ausbildungsstand. Diese Eigenschaften werden aber bei den meisten Menschen von der religiösen Grundhaltung bestimmt.“ So wurde… Rezension – Wolfram Beyer (Hrsg.): Militärseelsorge abschaffen. Humanistische, christliche und pazifistische Argumente. weiterlesen
  • Keine Werbeplattform für das Militär01.12.2013
    Bundeswehr in der Weihnachtsoffensive: Dutzende Adventskonzerte in Kirchen geplant. Nicht alle Christen sind begeistert. Ein Gespräch mit Reinhard Hauff
  • Mit Gottes Segen13.06.2013
    Kirche Proteste von Pazifisten? Nun soll die Bundeswehr das Hausrecht bei Trauerfeiern erhalten In der Regel freut sich die Kirche über jeden Besucher. Jetzt aber sollen die Friedensaktivisten das Gotteshaus verlassen. Sie haben Schlafsäcke dabei, halten ein Transparent hoch und verteilen Flugblätter. Die Domkirche St. Eberhard in Stuttgart wollen sie besetzen, um ein paar Tage… Mit Gottes Segen weiterlesen
  • Kirche soll Hausrecht an Bundeswehr übertragen08.06.2013
    Nach dem der Kriegsminister und der DGB-Vorsitzende vor geraumer Zeit den Schulterschluss vollzogen haben, sollen jetzt die Kirchen an die Bundeswehr das Hausrecht übetragen. Das Friedesbündnis Hannover berichtet dazu:In einer Mitteilung mit der Bezeichnung G 16/2013 vom 16.5.2013, gibt das ev. Landeskirchenamt Hannover in Absprache mit der Militärseelsorge und der Theologischen Abteilung des Landeskirchenamts den… Kirche soll Hausrecht an Bundeswehr übertragen weiterlesen
  • Keinen Segen für das Militär! Militärseelsorge abschaffen!18.04.2013
    von: Rainer Schmid Es gibt in Deutschland ungefähr 100 evangelische und 100 katholische Militärpfarrer. Auf evangelischer Seite gibt es auch ein paar Militärpfarrerinnen. Militärpfarrer werden von ihrer Heimatkirche für circa 6 Jahre freigestellt. Sie werden vom Militärischen Abschirmdienst überprüft, sie werden Bundesbeamte auf Zeit, sie leisten einen Beamten-Eid, sie haben ihr Büro in der Kaserne,… Keinen Segen für das Militär! Militärseelsorge abschaffen! weiterlesen
  • Ruf aus Dresden – 13. Februar 199013.01.1990
    Am 13. Februar 1945 – wenige Wochen vor Ende des bereits entschiedenen Krieges – legten Luftangriffe auch die Dresdner Frauenkirche in Trümmer. Jahrzehntelang war diese Ruine Anklage und Mahnmal für alle friedliebenden Menschen. In der schweren Zeit politischer Bedrückung und weltweiter Hochrüstung haben junge Menschen immer wieder brennende Kerzen auf die Ruine gestellt. In gewaltlosem… Ruf aus Dresden – 13. Februar 1990 weiterlesen
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