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Rekrutierung

08.09.2026

Rekrutierung in der Schule

von Mark Ellmann

Die bayerische Landesregierung darf Hochschulen nicht zur Kooperation mit der Bundeswehr verpflichten, so ein Urteil des Bayerischen Verfassungsgerichts über die Popularklage eines breiten Bündnisses aus 200 Klägerinnen und Klägern, darunter die Bayerischen Landesverbände der DFG-VK und der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). Damit wurde ein Erfolg gegen das Bayerische Gesetz zur Förderung der Bundeswehr errungen: In der für nichtig erklärten Regelung hieß es, dass bayerische Hochschulen mit der Bundeswehr zusammenarbeiten müssten, „wenn und soweit das Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst auf Antrag der Bundeswehr die Erforderlichkeit der Zusammenarbeit im Interesse der nationalen Sicherheit feststellt“ (siehe Pressemitteilung der GEW Bayern 13.03.2026).

Die richterliche Feststellung, dass eine Landesregelung, wie sie in Bayern versucht wurde, einen Verstoß gegen die Kompetenzordnung des Grundgesetzes darstellt, ist mit Blick auf andere Bundesländer, deren Regierungen sich am Bayerischen Bundeswehr-Fördergesetz ein Vorbild nehmen wollten, ein Erfolg.

Die Militarisierung der Schulen und Hochschulen in Bayern jedoch wurde vom Gericht nicht gestoppt, sondern vielmehr bestätigt. So bezeichnet das Bayerische Verfassungsgericht den Einsatz von Jugendoffizieren in Schulen als „sehr maßvollen Eingriff, der mit Blick auf die verfassungsrechtliche Gewährleistung der Funktionsfähigkeit der Bundeswehr und der Verteidigungsfähigkeit Deutschlands gerechtfertigt sei“ (zitiert aus oben genanntem Urteil, Aktenzeichen Vf. 3-VII-25).

Zu unserer Kritik, dass hier die pädagogischen Grundsätze des Beutelsbacher Konsenses gebrochen werden, übernimmt das Gericht die Argumentation der Staatsregierung: „Die Jugendoffiziere seien bei ihren Auftritten an Schulen an die Grundsätze des ‚Beutelsbacher Konsenses‘ (Überwältigungsverbot, Kontroversitätsgebot, Zielgruppenorientierung) gebunden, zu deren Einhaltung sich das Landeskommando Bayern in der Kooperationsvereinbarung (…) ausdrücklich verpflichtet hat.“ Wie es dem Offizier möglich sein soll, sowohl die Position der Armee als auch Kritik zum Beispiel aus der Friedensbewegung zu vermitteln, lässt das Gericht offen.

Das Gericht stellt fest, dass hier weder die Glaubens- und Gewissensfreiheit von Schüler*innen, Lehrer*innen oder Eltern verletzt werde, noch das Erziehungsrecht der Eltern, denn: „Die Verfassung schützt nicht vor der Konfrontation mit Fakten, auch wenn diese möglicherweise für die Bildung oder Bestätigung eines Weltbilds von Bedeutung sein können.“ Mit Blick auf die Hochschulen in Bayern, an denen die Zivilklausel verboten wurde, wiederholt das Gericht die Argumentation der regierenden CSU, nach der vielmehr die Zivilklausel eine Einschränkung der Wissenschaftsfreiheit darstelle, nicht deren Verbot.

Mit dem bayerischen Vorstoß im Rahmen des Gesetzes zur Förderung der Bundeswehr wird der Einsatz der Jugendoffiziere in Schulen zur Pflicht und damit die laufende Rekrutierung von Minderjährigen (siehe Kasten) ins Klassenzimmer geholt. Dafür wurden bisher anerkannte Prinzipien der politischen Bildungsarbeit, wie der Beutelsbacher Konsens, entkernt. Wenn ein Vertreter der Armee als Fakten-Checker auftreten kann, droht eine Situation, in welcher Kritik an staatlicher Politik nicht als Meinung, sondern als wahr oder falsch bewertet wird. Die Militarisierung der gesamten Gesellschaft mitsamt von Schulen und Hochschulen ist reaktionär und das bayerische Urteil sollte in anderen Bundesländern eine Motivation sein, die Einführung so eines Gesetzes von vornherein zu verhindern.

Zur Werbung von Minderjährigen in Bildungseinrichtungen

2016 gingen schockierende Bilder vom Tag der Bundeswehr durch die Medien. Der damalige Präsident des Reservistenverbands, Roderich Kiesewetter, erklärte dazu: „Kinder sind von Waffen fernzuhalten. (…) Warum dieser Grundsatz, der übrigens auch Vorschrift in der Bundeswehr ist, in diesem Fall offenbar missachtet wurde, können wir nicht nachvollziehen“ (Reservistenverband Pressemitteilung 16.06.2016).

2025, nur neun Jahre später, zeigte die ARD-Tagesschau ein Foto von einem Jungen, am Boden liegend, den Blick konzentriert auf das Zielfernrohr, die rechte Hand am Abzug eines Gewehres. Und in der Berliner Zeitung werden Eindrücke über den Tag der Bundeswehr beschrieben: Es geht um „Bobbycars“, „Sportbeutel mit Flecktarnmuster“ und „eine Hüpfburg, ebenfalls in Tarnfarben“ (Berliner Zeitung 3.07.2025).

Rekrutierung minderjähriger Soldaten

Ebenso normal wie die Berichterstattung über derartige Auftritte der Bundeswehr in der Öffentlichkeit scheint auch die Tatsache, dass die Bundeswehr mittlerweile 17-Jährige rekrutiert. Diese werden wie Erwachsene ausgebildet, der einzige Unterschied: „Sie werden vor der Volljährigkeit nicht in Auslandseinsätze geschickt und machen keinen bewaffneten Wachdienst“, so das zivil-gesellschaftliche Bündnis „Unter 18 nie!“. Dabei stellen minderjährige Soldaten einen eindeutigen Verstoß gegen die Bestimmungen der Pariser Prinzipien der Vereinten Nationen von 2007 dar, welche von über hundert Staaten ratifiziert wurde, darunter auch von der Bundesrepublik Deutschland.

Die Pariser Prinzipien definieren Kindersoldaten wie folgt: „‚Ein Kind, das mit einer Streitkraft oder bewaffneten Gruppe in Verbindung steht‘ bezeichnet jede Person unter 18 Jahren, die von einer Streitkraft oder bewaffneten Gruppe in irgendeiner Funktion rekrutiert oder eingesetzt wird (…). Dies bezieht sich nicht nur auf Kinder, die direkt an Feindseligkeiten beteiligt sind oder waren. (…) ‚Streitkräfte‘ bezieht sich auf die Streitkräfte eines Staates.“

Die Zahlen zur Rekrutierung von Minderjährigen stiegen in den letzten Jahren kontinuierlich. Während bundesweit jeder zehnte neue Rekrut unter 18 Jahre alt ist, waren es in Bayern im Jahr 2023 – also noch vor Einführung des oben genannten Gesetzes zur Förderung der Bundeswehr in Bayern – bereits 13,9 Prozent (BR24: Erneut mehr minderjährige Bundeswehr-Rekruten in Bayern, 31.03.2024). Seit einem Schuljahr sieht das Bayerische Unterrichtsgesetz vor, dass die Schulen mit den Jugendoffizieren der Bundeswehr zusammenarbeiten. Vor Einführung des Gesetzes warnte die GEW Bayern in einer Stellungnahme vor der verdeckten Rekrutierungspraxis an Schulen. Die Bildungsgewerkschaft sieht einen Zusammenhang „zwischen der gestiegenen Informations- und Werbearbeit der Bundeswehr bei Heranwachsenden und dem skandalösen Umstand, dass seit fünf Jahren jeweils ein Viertel aller minderjähriger Soldat*innen in Bayern rekrutiert wird“ (zit. nach Stellungnahme GEW Bayern 2024). Wir lehnen den Einsatz von sog. „Jugendoffizier*innen“ und allgemein jeden Werbeversuch für die Bundeswehr an Schulen strikt ab.

Deutsche Außenhandelsinteressen

Auch die speziell zum Vortrags-Einsatz vor jungen Menschen ausgebildeten „Jugendoffiziere“ der Bundeswehr sind keine „Experten“ wie jeder andere. So informiert die deutsche Armee auf ihrer Website über diese besonderen Offiziere: „Als Staatsbürger in Uniform bringen sich Jugendoffiziere und -offizierinnen – wie viele Bürgerinnen und Bürger – aktiv in die demokratische Willensbildung ein. (…) Außerdem verfügen sie über militärische Führungserfahrung – manchmal auch in Auslandseinsätzen – und können somit ‚aus erster Hand‘ berichten“ (Bundeswehr). Dabei ist eben dies ohne Gegenposition aus Sicht der politischen Bildung nicht zulässig.

Im Schwäbischen Kellmünz werden diese Berichte aus erster Hand sogar spielerisch vermittelt. Dort geht es nicht um politische Bildung, dort können Eltern ihre Sechs- bis Zwölfjährigen in den Sommerferien zur zweitägigen Bundeswehr-Freizeit in der örtlichen Grundschule abgeben. Veranstaltet wird diese Freizeit in Kooperation mit der nahegelegenen Kaserne in Ulm: „Aus dem NATO-Kommando der Bundeswehr in Ulm, deren Gefechtsstandstaffel das Freizeitangebot mit dem Rathaus Kellmünz anbietet, werden Auslandseinsätze, wie z. B. in Litauen oder Norwegen koordiniert“ (PM GEW Bayern 02.07.2025).

Ob die Soldatinnen und Soldaten die Kinder beim Spielen und die Jugendlichen beim Diskutieren darüber aufklären, welche eigenen Risiken sie im Auslandseinsatz in Kauf nehmen und in wessen Interessen dort für „unsere Sicherheit in Deutschland“ gekämpft wird, wie es 2010 der damalige Bundespräsident Köhler ausdrückte, muss angesichts der unterkomplexen Werbestrategie der Bundeswehr im öffentlichen Raum bezweifelt werden.

Auszug aus: Ellmann, Mark: „Augen gerade aus“. Zeitenwende in Schule und Hochschule, Staat und Gesellschaft, In: Eifler, Ulrike: Gewerkschaften in der Zeitenwende. Was tun gegen Umverteilung nach oben, massive Angriffe auf den Sozialstaat, die Militarisierung des Alltags und den Rüstungswahnsinn? VSA: Verlag Hamburg 2025

Dieser Beitrag erscheint in der ZivilCourage Ausgabe 2/2026

Kategorie: Zivilcourage Stichworte: Minderjährige bei der Bundeswehr, Rekrutierung, ZivilCourage

26.08.2026

DFG-VK fordert Gamescom ohne Bundeswehr 

Im Krieg gibt es keinen Respawn!

Die Deutsche Friedensgesellschaft – Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen (DFG-VK) kritisiert die Präsenz der Bundeswehr auf der Computerspielmesse Gamescom. Christoph Tophoven, Aktiver der DFG-VK Gruppe Köln findet: „Soldat*in ist kein normaler Beruf. Wer zur Bundeswehr geht, wird dazu ausgebildet zu töten und riskiert selbst verwundet oder getötet zu werden. Eine Ansprache von Kindern und Jugendlichen in verharmlosender Gaming-Sprache vermittelt einen völlig falschen Eindruck vom Dienst an der Waffe, ist unangemessen und verstößt gegen die UN-Kinderrechtskonvention und ergänzenden Fakultativprotokollen. Die Zahl der Minderjährigen in der Bundeswehr ist letztes Jahr auf 3.121 gestiegen. Ein neuer Höchststand. Das finden wir grundfalsch!“

Seit 2009 nutzt die Bundeswehr die Gamescom in Köln als Recruiting-Plattform. Mit gezieltem Gaming-Jargon und einer verfälschten Darstellung des Militärdienstes buhlt sie um die Gunst eines jungen Publikums. In früheren Jahren warb die Bundeswehr mit Slogans wie „Multiplayer at its best“, „Mehr Open World geht nicht“, „Entwickle deinen Skill-Tree“ oder „Camper oder Kamerad?“. Damit, so Tophoven „rücken Abenteuer und Gemeinschaftssinn in den Vordergrund – während die tödliche Realität des Dienstes an der Waffe konsequent ausgeblendet wird. Das ist eine schamlose Verharmlosung von Krieg und Streitkräften!“ 

Letztes Jahr gab die Bundeswehr über 250.000 € für den Stand, Logistik und Werbematerialien aus – Personalkosten für die Standbetreuung mit 32 Personen nicht eingerechnet.

Die DFG-VK startet zum Messestart eine Petition um Unterstützer*innen dafür zu sammeln, dass die Gamescom in Zukunft ohne Bundeswehr stattfindet. Auch die Teilnahme von Bundesnachrichtendienst und Rüstungsunternehmen wie Rheinmetall und Airbus Defence and Space wird im Aufruf kritisiert. Wer die Petition unterschreiben möchte, kann das hier tun: https://dfg-vk.de/gamescom-ohne-bundeswehr

Am Freitag (28. August 2026) und Samstag (29. August 2026) werden Aktive der DFG-VK vor der Kölner Messe (Eingang Süd/Bahnhof Deutz) gegen die Präsenz der Bundeswehr protestieren und junge Menschen über ihr Grund- und Menschenrecht auf Kriegsdienstverweigerung aufklären.

Pressemitteilung der Deutschen Friedensgesellschaft – Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen, Stuttgart, 26. August 2026

Bei Fragen nehmen Sie bitte jederzeit Kontakt zu uns auf:

Marius Pletsch (Bundessprecher/Referent der DFG-VK): pletsch@dfg-vk.de
+49176/57933842

Kategorie: Allgemein, Anti-Militarisierung, Bundeswehr abschaffen, Pressemitteilung, Rekrutierung der Bundeswehr Stichworte: Bundeswehr, Computerspiele, gamescom, Gaming, Rekrutierung, unter18nie!

24.08.2026

Gamescom ohne Bundeswehr – Kein Werben fürs Sterben!

Seit 2009 nutzt die Bundeswehr die Gamescom in Köln als Recruiting-Plattform. Mit gezieltem Gaming-Jargon und einer verfälschten Darstellung des Militärdienstes buhlt sie um die Gunst eines jungen Publikums. Slogans wie „Multiplayer at its best“, „Mehr Open World geht nicht“, „Entwickle deinen Skill-Tree“ oder „Camper oder Kamerad?“ rücken Abenteuer und Gemeinschaftssinn in den Vordergrund – während die tödliche Realität des Dienstes an der Waffe konsequent ausgeblendet wird. Das ist eine schamlose Verharmlosung von Krieg und Streitkräften!

Die Marketingoffensive zielt bewusst auf Kinder und Jugendliche ab – mit erschreckendem Erfolg. Im Jahr 2025 traten 3.131 minderjährige Rekrut*innen ihren Dienst bei der Bundeswehr an.

  • Verstoß gegen UN-Standards: Die Vereinten Nationen (UN-Kinderrechtsausschuss) sowie internationale NATO-Partner kritisieren Deutschland seit Jahren scharf dafür, dass die Bundeswehr weiterhin unter 18-Jährige rekrutiert.
  • Streitkräfte sind kein sicheres Umfeld für Minderjährige: Das haben Skandale mit sexueller Gewalt, Rechtsextremismus, Alkoholexzessen und Drogenmissbrauch gezeigt.

Unsere Forderungen

Die gezielte Beeinflussung junger Menschen für den Militärdienst und die Romantisierung von Kriegseinsätzen muss aufhören! Die Gamescom sollte eine Plattform für digitale Kultur und Spielspaß sein – nicht für Aufrüstung und Militär.

Deshalb fordern wir eine Gamescom ohne Bundeswehr. Auch Rüstungsunternehmen und Geheimdienste sollte hier keinen Platz haben.

Jetzt Aktiv Werden!

Wenn auch du eine Gamescom 2027 ohne Militär-Rekrutierung, Geheimdienste und Rüstungsindustrie willst, unterstütze unsere Petition.

Gamescom ohne Bundeswehr – Kein Werben fürs Sterben!

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Gamescom ohne Bundeswehr – Kein Werben fürs Sterben! Seit 2009 nutzt die Bundeswehr die Gamescom in Köln als Recruiting-Plattform. Mit gezieltem Gaming-Jargon und einer verfälschten Darstellung des Militärdienstes buhlt sie um die Gunst eines jungen Publikums. Slogans wie „Multiplayer at its best“, „Mehr Open World geht nicht“, „Entwickle deinen Skill-Tree“ oder „Camper oder Kamerad?“ rücken Abenteuer und Gemeinschaftssinn in den Vordergrund – während die tödliche Realität des Dienstes an der Waffe konsequent ausgeblendet wird. Das ist eine schamlose Verharmlosung von Krieg und Streitkräften!

Die Marketingoffensive zielt bewusst auf Kinder und Jugendliche ab – mit erschreckendem Erfolg. Im Jahr 2025 traten 3.131 minderjährige Rekrut*innen ihren Dienst bei der Bundeswehr an.

→Verstoß gegen UN-Standards: Die Vereinten Nationen (UN-Kinderrechtsausschuss) sowie internationale NATO-Partner kritisieren Deutschland seit Jahren scharf dafür, dass die Bundeswehr weiterhin unter 18-Jährige rekrutiert.

→Streitkräfte sind kein sicheres Umfeld für Minderjährige: Das haben Skandale mit sexueller Gewalt, Rechtsextremismus, Alkoholexzessen und Drogenmissbrauch gezeigt.

Unsere Forderungen

Die gezielte Beeinflussung junger Menschen für den Militärdienst und die Romantisierung von Kriegseinsätzen muss aufhören! Die Gamescom sollte eine Plattform für digitale Kultur und Spielspaß sein – nicht für Aufrüstung und Militär.

Deshalb fordern wir eine Gamescom ohne Bundeswehr. Auch Rüstungsunternehmen und Geheimdienste sollte hier keinen Platz haben.

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Die Unterschriften werden wir im Frühjahr 2027 den Veranstaltern übergeben.

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Kategorie: Allgemein, Anti-Militarisierung, Kriegsdienstverweigerung, Pazifismus und Antimilitarismus, Rekrutierung der Bundeswehr, Theorie & Praxis Stichworte: Aufrüstung, Bundeswehr, Bundeswehr-Werbung, gamescom, Kriegsdienstverweigerung, Rekrutierung

30.06.2025

Kinder an Maschinengewehren: Tag der Bundeswehr sorgt für Skandal!

Kinder mit Maschinen- und Sturmgewehren im Anschlag: Das sind die beschämenden Bilder, die uns am Samstag vom „Tag der Bundeswehr“ im niedersächsischen Bückeburg erreichten.

Ein Skandal, der keineswegs neu ist. Bereits 2016 reagierte das Verteidigungsministerium auf ähnliche Bilder vom „Tag der Bundeswehr“ mit einem Verbot dieser Praxis. Das wussten auch die Soldaten am Samstag in Bückeburg am Waffenstand auf dem Heeresflugplatz. Die Soldaten machten die Kinder zwar darauf aufmerksam, verhinderten den Zugriff aber kaum: „Bei dem Event werden schon die Jüngsten für Waffen und Militär begeistert – diesmal überschritt man noch eine weitere Grenze“, zeigt sich Alina Ferdinand vom Bündnis „Unter 18 nie – Keine Minderjährigen in der Bundeswehr“ schockiert.

Das Bündnis aus Kinderrechts- und Friedensorganisationen, Gewerkschaften und Kirchen kritisiert seit Langem die Werbe- und Rekrutierungspraxis der Armee: „Die Bundeswehr hat im vergangenen Jahr über 2.200 Minderjährige an Waffen ausgebildet“, betont Ferdinand. Dies stehe der UN-Kinderrechtskonvention entgegen: „Die Vereinten Nationen fordern von Deutschland bereits seit 2014 eine Anhebung des Rekrutierungsalters sowie ein Ende der Armeewerbung an Schulen.“

Nach dem erneuten schockierenden Vorfall in Bückeburg fordert das „Unter 18 nie!“-Bündnis Konsequenzen: „Kleinwaffen sollten nicht mehr ausgestellt werden, und auch eine Werbung mit anderen Waffensystemen sollte nicht mehr stattfinden“, so Armin Lauven vom Bündnis „Unter 18 nie – Keine Minderjährigen in der Bundeswehr“. Gerade junge Menschen würden nicht reflektieren, wofür die Waffen eigentlich da sind und welchen Schaden sie anrichten.

Das Bündnis verweist auch auf die breite Unterstützung aus dem Bundestag. Zahlreiche Abgeordnete haben die Kritik an der Rekrutierungspraxis der Bundeswehr öffentlich kundgetan, wie „Unter 18 Nie!“ auf seiner Website dokumentiert. „Hier sind alle gefragt!“, fordert Lauven die Unterstützer auf. „Scheinbar fallen gerade alle Schranken für die Aufrüstung, und macht dabei auch vor den Kleinsten keinen Halt mehr!“, so der Bündnissprecher Lauven.

Pressemitteilung des Bündnisses „Unter 18 nie – Keine Minderjährigen in der Bundeswehr“, Bonn 30. Juni 2025

Pressekontakt:
Michael Schulze von Glaßer (pol. Geschäftsführer der DFG-VK):
svg@dfg-vk.de

Kategorie: Anti-Militarisierung, Pressemitteilung, Rekrutierung der Bundeswehr Stichworte: Bundeswehr, Rekrutierung, Tag der Bundeswehr, Unter 18 nie

10.06.2025

Kriegsdienstverweigerungs-Kongress geplant

Reaktion auf den „neuen Wehrdienst“ der Bundesregierung: Am 21. und 22. Juni 2025 veranstaltet die Deutsche Friedensgesellschaft – Vereinigte Kriegsdienstgegner*innen (DFG-VK) einen bundesweiten Kongress zum Thema „Kriegsdienstverweigerung“ (KDV) in Kassel. Geplant sind Vorträge zur Haltung junger Menschen zum Militär, zu juristischen Fragen rund um die Reaktivierung der Wehrpflicht und zur internationalen Dimension der fortschreitenden militärischen Aufrüstung. Außerdem können sich Teilnehmende an dem Wochenende zu KDV-Berater*innen schulen lassen. Die Nachfrage nach Beratungen wächst.

„Auf der einen Seite gibt es viele ältere Friedensbewegte, die selbst noch den Kriegsdienst verweigert haben und sich sehr gut in der Thematik auskennen. Auf der anderen Seite gibt es viele junge Menschen, die sich kaum auskennen aber Beratungsbedarf haben“, erzählt Michael Schulze von Glaßer, politischer Geschäftsführer der DFG-VK. Der Verband hat eine lange Tradition dabei jungen Menschen zu helfen nicht ins Militär zu müssen – die nun wieder auflebt: „Wir kriegen täglich Anfragen von jungen Menschen, ihren besorgten Eltern, Reservistinnen und Reservisten oder sogar aktiven Soldatinnen und Soldaten, die nicht bzw. nicht mehr mit der Waffe kämpfen wollen“, so Schulze von Glaßer. Die angespannte politische Lage lasse viele daran zweifeln, ob sie wirklich einen anderen Menschen töten wollen, so der DFG-VK Geschäftsführer.

Um sich auf den von der Bundesregierung geplanten „neuen Wehrdienst“ vorzubereiten organisiert die DFG-VK Mitte Juni einen „KDV-Kongress“: „Es wird einerseits darum gehen was wir politisch gegen die Wehrdienst-Pläne der Regierung unternehmen können und andererseits auch konkret darum wie wir Menschen dabei unterstützen können sich nicht an der Waffe zwangsausbilden lassen zu müssen“, erklärt Michael Schulze von Glaßer, der im Organisationteam des Kongresses mitarbeitet. Besonders freut ihn den jungen Politik-Influencer Simon David Dressler für den Kongress gewinnen zu können: „Kriegsdienstverweigerungsarbeit läuft heute anders als noch vor zwei oder drei Jahrzehnten“, betont Schulze von Glaßer. Friedensgruppen müssten sich den jungen Menschen und ihren Kommunikationswegen anpassen, um sie mit Informationen zu erreichen.

Dabei sei die Reaktivierung der Wehrpflicht nur ein Symptom der aktuellen Aufrüstungspolitik – Reza Schwarz von der Informationsstelle Militarisierung (IMI) wird bei dem Kongress in Kassel die Brücke dazu schlagen. Einen weiteren Vortrag gibt es von den beiden Juristen David Werdermann und Lennart Armbrust: Was bedeuten die Wehrpflichtpläne für die Praxis und wie sind sie aus grund- und menschenrechtlicher Perspektive zu bewerten? Am Samstagabend informieren der ukrainische Kriegsgegner Andrii Konovalov und der russischer Kriegsgegner Jewgenij Arefiev außerdem darüber, wie der Kriegsdienst in ihren Heimatländern binnen kurzer Zeit wieder streng vollzogen wurde und was sich daraus für die in Deutschland geführte Debatte lernen lässt.

Am zweiten Tag des Kongresses stehen dann Workshops an: Teilnehmende können sich zu KDV-Berater*innen für Zivilist*innen/Ungediente und Reservist*innen schulen lassen. Außerdem ist noch ein Workshop zum Militärwerbung und der Ansprache junger Menschen geplant. Das vollständige Programm sowie die Möglichkeit sich kostenlos anzumelden gibt es auf: www.kdv-kongress.de

Pressemitteilung der Deutschen Friedensgesellschaft – Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen, Stuttgart 10. Juni 2025

Pressekontakt:
Michael Schulze von Glaßer (pol. Geschäftsführer der DFG-VK):
svg@dfg-vk.de

Kategorie: Anti-Militarisierung, Kriegsdienstverweigerung, Pressemitteilung, Rekrutierung der Bundeswehr Stichworte: Bundeswehr, KDV, Kriegsdienst, Rekrutierung, Verweigern, Verweigerung, Wehrdienst, Wehrpflicht

28.05.2025

Kritik an Bundeswehr-Rekrutierung beim „Finaltag der Amateure“

Am vergangenen Wochenende hat die Bundeswehr bundesweit in Fußballstadien sowie im Rahmen einer bundesweiten ARD-Liveübertragung für den Dienst an der Waffe geworben. Nun steht die Partnerschaft des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), seiner Landesverbände und der Armee in der Kritik von Friedensaktivist*innen: Sie fordern militärfreie Stadien.

„Grenzen überwinden“, unter anderem mit diesem Slogan warb die deutsche Armee am 24. Mai 2025, dem „Finaltag der Amateure“, in vielen der 20 Fußballstadien, in denen an dem Tag die Landespokale ausgespielt wurden. Die Bundeswehr war in diesem Jahr erstmals Sponsor des bundesweiten Events: Neben Werbung auf Banden und Anzeigetafeln stand sie vielerorts mit Werbetrucks vor den Stadien. „Die Bundesregierung rüstet die Armee gerade massiv auf – das Personal, um die neuen Panzer und Drohnen zu steuern, wurde nun unter den Fußballfans gesucht“, erklärt dazu Michael Schulze von Glaßer, politischer Geschäftsführer der „Deutschen Friedensgesellschaft – Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen“ (DFG-VK). Er war am Samstagabend in der „PSD-Bank Arena“ in Frankfurt bei der Austragung des Hessenpokals. Gerade der Slogan „Grenzen überwinden“ irritierte ihn: „Auch wenn der Spruch sich auf die persönliche Entwicklung von Soldat*innen beziehen mag, ist er in Zeiten der Spannungen mit Russland daneben“, kritisiert Schulze von Glaßer. Die Bundeswehr baut gerade eine dauerhafte Präsenz in Litauen auf.

Das Sportsponsoring der Bundeswehr beim „Finaltag der Amateure“ reiht sich ein in weitere Rekrutierungsbemühungen der Armee über den Sport: In der laufenden Fußballsaison gab es eine Kooperation mit dem Zweitligisten SSV Ulm. In der bereits beendeten Eishockey-Saison hat die Bundeswehr in der 2. Deutschen Eishockey Liga die Kassel Huskies und Ravensburg Towerstars gesponsert. Und am kommenden Sonntag (1. Juni 2025) spielt die Football-Mannschaft Frankfurt Galaxy in Bundeswehr-Trikots – bei dem im Offenbacher Stadion am Bieberer Berg ausgetragenen Spiel soll umfassend für den Dienst an der Waffe geworben werden.

Die DFG-VK verurteilt den Missbrauch des Sports durch das Militär: „Sport verbindet Menschen über alle Differenzen hinweg und trägt somit zu Völkerverständigung und einem friedlichen Miteinander bei – es darf nicht olivgrün eingefärbt werden und zur Werbung für eine Armee verkommen“, so Michael Schulze von Glaßer. Durch die Militärpräsenz in Stadien finde eine banale Militarisierung statt: Unter Schlagwörtern wie „Teamgeist“ und „Leistungsbereitschaft“ werde versucht, militärische Strukturen als selbstverständlich und integrativ darzustellen.

„Die Nachwuchssuche der Armee gehört nicht ins Fußballstadion“, macht Michael Schulze von Glaßer nochmal deutlich. Die DFG-VK fordert den DFB und seine Landesverbände auf, die Zusammenarbeit mit der Bundeswehr umgehend zu beenden und sich stattdessen für Frieden, Gewaltfreiheit und eine klare Trennung zwischen Sport und Militär einzusetzen. In Frankfurt führte das Bundeswehr-Sponsoring am Samstag bereits zu Protesten: „Kein Werben mit dem Sterben“ stand auf einem Spruchband von Fans des SV Wehen Wiesbaden.

Pressemitteilung der Deutschen Friedensgesellschaft – Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen, Stuttgart 28. Mai 2025

Pressekontakt:
Michael Schulze von Glaßer (pol. Geschäftsführer der DFG-VK):
svg@dfg-vk.de

Kategorie: Anti-Militarisierung, Pressemitteilung, Rekrutierung der Bundeswehr Stichworte: Bundeswehr, Bundeswehr-Werbung, Rekrutierung, Sportsponsoring, Werbung

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