• Skip to main content

Deutsche-Friedensgesellschaft-Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen

  • Informieren
    • Kampagnen
      • Aktion Aufschrei – Stoppt den Waffenhandel!
      • Aktionsbündnis: atomwaffenfrei.jetzt
      • Killerroboter stoppen!
      • Unter 18 nie! Keine Minderjährigen in der Bundeswehr
      • Weitere Kampagnen
    • Unsere Themen
      • Anti-Militarisierung
      • Kriege & Konflikte
      • Waffen & Rüstung
      • Theorie & Praxis
      • Positionen von A-Z
    • Pressemitteilungen
    • Kriegsdienstverweigerung
  • Mitmachen
    • Mitglied werden
    • Landesverbände
    • Ortsgruppen
    • Jugend
    • Unser Friedensmobil
    • Aktionsmaterial
    • Newsletter abonnieren
  • Über uns
    • Die DFG-VK
      • Unsere Geschichte
      • Organigramm
      • Satzung der DFG-VK
      • Programm
      • DFG-VK Bundessprecher*innen
      • Konfliktberatung
      • Positionspapier Außenpolitik
      • AG Friedenslogik
    • Kontakt
    • Partner*innen
    • Magazin ZivliCourage
    • CvO-Solidaritätsfonds
    • BvS-Stiftung
  • Spenden
  • Shop
  • Suche

Russland

17.01.2023

Autoritäre Regierungen: Online-Vortrag mit Diskussion

Der friedenspolitisch richtige Umgang mit den autoritären Regierungen in Iran, China und Russland

Der Bundesverband der Deutschen Friedensgesellschaft – Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen lädt herzlich ein zu einem Online-Vortrag mit Diskussion am Dienstag, den 31. Januar um 19 Uhr zu den Fragen:

Was ist der friedenspolitisch richtige Umgang mit den genannten Staaten? Welche ersten Schritte sind zu ergreifen, um eine regelbasierte internationale Ordnung mit China und Russland zu entwickeln? Sollte Deutschland die wirtschaftlichen Beziehungen zu China reduzieren, um nicht mehr „verwundbar“ zu sein? Stimmt noch die Devise „Wandel durch Annäherung“ aus der Entspannungspolitik, dass also Druck von außen eher zur Verhärtung, Entspannung hingegen zur (innenpolitischen) Lockerung in den jeweiligen Ländern führt?

Polizeieinsatz gegen Proteste der Demokratiebewegung in Hongkong 2019
© Wikipedia/Studio Incendo

Der Referent Thomas Carl Schwoerer ist Mitglied im BundessprecherInnenkreis der DFG-VK und im Koordinierungskreis von Sicherheit neu denken.

Zugangsdaten

https://us06web.zoom.us/j/82383257722?pwd=UUx4MG56SUlVeS9rT1RhT3NDeDZBZz09

Meeting-ID: 823 8325 7722
Kenncode: 902211

Weiterführende Links

Videoaufzeichnung des Vortrags Weiterleiten

Manuskript zum Vortrag Weiterleiten

Kategorie: Pazifismus und Antimilitarismus, Theorie & Praxis Stichworte: China, Iran, Russland

01.01.2023

Der friedenspolitisch richtige Umgang mit autoritären Regierungen in Iran, China und Russland

Vortrag von DFG-VK-Bundessprecher Thomas C. Schwoerer

Liebe Freund*innen,

vermutlich ist es unter uns Konsens, dass wir prinzipiell auf der Seite derer stehen, die von den Regierungen dieser drei und anderer Länder unterdrückt werden. Wir sollten uns also mit den jeweiligen Zivilgesellschaften in diesen Ländern identifizieren, denn wenn wir dort leben würden, würden wir vermutlich auch unterdrückt werden. 

Deshalb sollten wir Forderungen generell nicht nur an unsere eigene Regierung richten.

Im Iran wurden bislang einhundert Todesurteile gegen Protestierende verhängt und vier davon vollstreckt. Fast 20.000 Oppositionelle wurden verhaftet.

Bemerkenswert ist die präzedenzlos große Solidargemeinschaft dieser Revolte, über Grenzen hinweg von Klassen, Geschlechtern, Generationen, Religionen und Ethnien. Diese Bewegung ist sehr lebendig und zeigt, wie eine bessere Gesellschaft aussehen könnte. Sie arbeitet überwiegend mit den Methoden des zivilen Ungehorsams.

Wir sollten sie solidarisch unterstützen. Wir sind aber auch daran interessiert, dass der Iran keine Atomwaffen herstellt. Das wird nur über Gespräche und Vereinbarungen mit der Regierung gehen, in kleinen Schritten, auch wenn die Verhandlungen derzeit ausgesetzt sind. Das Ziel wäre, das Atomabkommen wiederzubeleben.

Wir kommen nicht aus dem Dilemma heraus, dass solche Gespräche von einem größeren Teil der iranischen Opposition abgelehnt werden und dass wir uns  darüber nicht mit ihr einig sind. Ebensowenig sind wir uns einig bezüglich der Notwendigkeit, der Regierung weiterhin die schrittweise Aufhebung der Sanktionen anzubieten, damit sie in der Atomwaffen-Frage kooperiert.

Ist die Devise „Wandel durch Annäherung“ aus der Entspannungspolitik im Falle des Irans gescheitert, dass also Druck von außen eher zur Verhärtung, Entspannung hingegen zur (innenpolitischen) Lockerung in den jeweiligen Ländern führt? Es ist deshalb keine Entspannung eingetreten, weil Donald Trump die Unterschrift unter das Atomabkommen verweigert hat. Die Verhärtung lag schon vorher maßgeblich an den Sanktionen der USA und Europas, die dem Iran seit Jahrzehnten schaden. Wäre das Atomabkommen unterzeichnet und die Sanktionen daraufhin aufgehoben worden, hätte sich das iranische Regime vielleicht – vielleicht – liberalisiert.

Diese Sanktionen haben besonders der ärmsten Bevölkerung geschadet und sie in die Arme der Regierung getrieben. Die Sanktionen treffen auch Privatunternehmen und die Mittelschicht und schwächen damit Kräfte, auf denen die Hoffnungen für einen gesellschaftlichen Wandel ruhen. Hingegen sind die Revolutionsgarden und die religiösen Stiftungen, welche weite Teile der Wirtschaft kontrollieren, sehr erfahren darin, im Illegalen zu arbeiten. Sie florieren geradezu unter solchen Bedingungen.

Auch im Falle Chinas gilt unsere prinzipielle Solidarität mit der Zivilgesellschaft, etwa bei Menschenrechtsverletzungen und Unterdrückung in Xingiang und Hongkong und bei der Verteidigung der Freiheit in Taiwan.

Die Beziehungen zwischen den beiden Supermächten USA und China haben sich stark verschlechtert, so dass dieses Verhältnis das gefährlichste in diesem Jahrzehnt ist. Es drohen ein Kalter oder heißer Krieg. Deswegen räume ich diesem Verhältnis die meiste Zeit in diesem Vortrag ein. Dabei orientiere ich mich maßgeblich an den Vorschlägen im letztes Jahr erschienenen Buch des ehemaligen australischen Regierungschefs und Außenministers Kevin Rudd „The Avoidable War“ (Der Vermeidbare Krieg). Es wurde bemerkenswerter Weise zweimal positiv in der FAZ dargestellt, die sonst eher Konfrontationen das Wort redet. Die Schreibweise von Autor und Titel findet ihr im Manuskript meines Vortrags unter dem Link, den unsere Referentin für Friedenspolitik Kathi Müller am Ende dieses Vortrags in den Chat stellt – vielleicht wollt ihr generell meine Ausführungen nachlesen. 

Der Autor ist Sinologe, spricht fließend Mandarin, hat in den USA, China und Taiwan gelebt und ist einer der profiliertesten Kenner des chinesischen Staats- und Parteichefs Xi Jinping. Mit ihm hat er insgesamt zehn Stunden lang gesprochen und über Xis Weltsicht in Oxford promoviert. Rudd ist Präsident der „Asia Society“ in New York.

Seine Vorschläge beantworten die Fragen: Welche ersten Schritte sind zu ergreifen, um eine regelbasierte internationale Ordnung mit China zu entwickeln? Und wie können wir es vermeiden, einer militärischen Konfrontation auf einer schiefen Ebene entgegenzurutschen?

Rudds Ziele sind ein besseres Verhältnis zwischen China und den USA – ich erweitere das auf den Westen insgesamt – sowie die Verhinderung einer zufällig ausgelösten militärischen Eskalation. Beiden Seiten fehlen derzeit der Wille und die Fähigkeit, sich in die Perspektive der anderen Seite hineinzuversetzen. Als ersten Schritt sollten sie deshalb an ihrer Wahrnehmung arbeiten, welche roten Linien der anderen Seite sie nicht überschreiten dürfen.

Es geht darum, die Rivalität so zu kanalisieren, dass ein Krieg vermieden wird. Nötig dafür ist ein gemeinsames Rahmenwerk mit Leitplanken für einen kontrollierten strategischen Wettbewerb, innerhalb dessen beide Seiten ihre nationalen Kerninteressen verfolgen. Das Rahmenwerk bestünde aus diesen drei Schritten, die miteinander zusammenhängen:

Erstens eine Vereinbarung über den Umgang mit den jeweiligen strategischen roten Linien (beispielsweise über Taiwan). Wer sie überschreitet, riskiert massive Gegenmaßnahmen.

Zweitens eine gemeinsame Benennung der weniger gefährlichen Gebiete der Sicherheitspolitik, in denen strategischer Wettbewerb als völlig normal akzeptiert wird. Das sind die Außenpolitik, Wirtschaftspolitik, die technogische Entwicklung (zum Beispiel über Halbleiter) und die Ideologie. 

Der dritte Schritt ist eine strategische Kooperation auf Gebieten wie dem Klimaschutz. Eine solche Zusammenarbeit wäre auch wichtig zum Abbau der derzeitigen Spannungen und ließe sich flankieren durch relativ leicht zu erzielende vertrauensbildende Maßnahmen. Das wären etwa die Lockerung von Visabestimmungen für Studierende und Journalist*innen und von Restriktionen für NGO’s.

Zum ersten und friedenspolitisch wichtigsten Schritt, den roten Linien: Die USA und der gesamte Westen würden zurückkehren zur strikten Einhaltung der Ein-China-Politik und insbesondere auf provokante und unnötige hochrangige Besuche in Taiwan verzichten (im Falle Deutschlands etwa des Besuchs der FDP-Bundestagsabgeordneten um Frau Strack-Zimmermann im Januar). Dies würde den Verzicht auf eine direkte militärische Zusammenarbeit mit Taiwan einschließen. Das wichtigste Ziel wäre, den strategischen Status Quo über Taiwan zu bewahren, der seit fünfzig Jahren Bestand hat. 

China würde seinerseits seine provokanten militärischen Übungen, Überflüge und Manöver in der Taiwanstraße zurückfahren. Im Südchinesischen Meer würde China darauf verzichten, weitere Inseln zu beanspruchen oder zu militarisieren und seine territorialen Forderungen gegen die Philippinen als einzigen US-Alliierten militärisch durchzusetzen. Es würde sich verpflichten, die volle Freiheit der Schiffahrt und Überflüge zu respektieren. Daraufhin würde der Westen seine Operationen in diesem Gebiet verringern. Deutschland würde nicht mehr an Manövern wie im letzten Herbst teilnehmen.

Das Ziel wäre eine klare Vorstellung, was die roten Linien der jeweils anderen Seite auf diesen vier Gebieten sind und die Klarheit, dass bei einem Überschreiten dieser roten Linien massive Gegenmaßnahmen ergriffen würden.

Ergänzend würden Leitplanken vereinbart zum Beispiel zur Verbreitung von Atomwaffen, Nordkorea, Weltraum und dem Verzicht auf Cyberattacken, damit jede Seite auch hier die roten Linien der anderen Seite kennt.

Woran ließe sich der Erfolg eines solchen gemeinsamen strategischen Rahmens messen? Der wichtigste Indikator wäre, dass die USA und China eine militärische Krise um Taiwan vermieden haben. Wichtig wäre die Einhaltung des Völkerrechts und der Maßgabe, dass dieses höher steht als die Machtinteressen großer Staaten. Ein Abkommen über den Verzicht auf Cyberattacken wäre hilfreich. Ein großer Erfolg wäre das Verbot der Kriegsführung mit autonomen Waffen, etwa im Weltraum, oder andere Abrüstungsabkommen zum Beispiel über Mittelstreckenraketen und Atomwaffen. Und ein starker Erfolgsindikator wäre ein offener und lebendiger Wettbewerb auf beiden Seiten über die Ideen, Werte und Ansätze zur Problemlösung, die ihre jeweiligen Systeme bieten – ohne zu versuchen, diese Systeme mit Gewalt durchzusetzen.

Wären beide Seiten interessiert an einem solchen strategischen Rahmen? China will keinen vorzeitigen militärischen Konflikt mit den USA – nicht bevor es in einer unangreifbaren militärischen Lage ist. Chinas Unternehmen sind außerdem verwundbar für Cyberattacken. Und die Partei wird Leaks über ihre Leitung, zum Beispiel deren persönlichen Reichtum, verhindern wollen und könnte deshalb an einem Cyberabkommen mit dem Westen interessiert sein.

Außerdem bezieht Chinas Führung ihre Legitimation maßgeblich aus dem starken und langfristigen Wachstum der Wirtschaft. Mit diesem strategischen Rahmen könnte sich China mehr auf seine wirtschaftlichen Prioritäten konzentrieren. Es ist nicht am gegenwärtigen krisenhaften Zustand interessiert, der von diesem Hauptfokus ablenkt, geschweige denn an einer zusätzlichen Zuspitzung. Denn diese würde die Quad stärken, das Bündnis der USA mit Japan, Indien und Australien.

Die USA wollen ebenfalls keinen Krieg mit China, weil der Ausgang zu ungewiss und die Gefahr eines Verlustes ihrer Vormachtstellung durch eine Eskalation zu groß wäre. Auch die USA sind interessiert an einer Konzentration auf die Stärkung ihrer Wirtschaft als Grundlage ihrer Macht. Sie könnten mit diesem strategischen Rahmen Zeit gewinnen, um den Abstand zu China ökonomisch, wissenschaftlich und technologisch zu vergrößern. Und für ihre Außenpolitik wäre es hilfreich, wenn sie ihre Partner im Westen und Süden nicht zwingen würden, sich zwischen den USA und China zu entscheiden.

In beiden Ländern sind der Nationalismus und die Militär-Industriellen Komplexe sicher die größten Bremsen einer solchen Vereinbarung. Bis zu einem bestimmten Grad ist es bequemer für Entscheider*innen, diesen Nationalismus zu bedienen statt Konflikte zu lösen. Aber nur bis zu einem bestimmten Grad.

Ist der Wandel durch Annäherung gescheitert? Ja, es hat keine Annäherung der Systeme Chinas und des Westens durch die zunehmende politische und wirtschaftliche Verflechtung seit den 1970er Jahren gegeben. Aber sie hat dazu beigetragen, dass es – noch – keinen Kalten oder heißen Krieg zwischen China und dem Westen gibt.

Sollte Deutschland die wirtschaftlichen Beziehungen zu China reduzieren, um nicht mehr „verwundbar“ zu sein durch chinesische Sanktionen, etwa wenn ein Konflikt um Taiwan eskaliert? Die wirtschaftlichen Verflechtungen mit China sind ungleich größer als etwa mit Russland. China ist längst der wichtigste deutsche Handelspartner. Das bedeutet, dass sich das Land vielleicht selbst am meisten schadet, wenn es die entscheidenden wirtschaftlichen Verflechtungen kappt.

Ein paar Beispiele für diese Verflechtung: Zusammen mit VW, BMW und BASF stand Mercedes zwischen 2018 und 2021 für mehr als ein Drittel aller europäischen Direktinvestitionen in China. Ohne die Erträge aus China würde etwa BASF die Transformation zum klimaneutralen Unternehmen nicht gelingen: China ist der am schnellsten wachsende Chemiemarkt der Welt, mit einem Weltmarktanteil von 40%. Chinas Weltmarktanteil an der Autoindustrie beträgt 35%. Mercedes verkauft ein Drittel seiner Fahrzeuge dort. VW verkaufte 2021 drei Millionen Fahrzeuge in China, das sind 40 Prozent der weltweit produzierten Autos, mit sattem Gewinn. In den USA waren es gerade mal 650.000 Autos, mit marginalem Gewinnbeitrag.

Der Druck zur Verringerung der Wirtschaftsbeziehungen zu China kommt maßgeblich aus den USA. So dürfen keine deutschen Maschinen mehr in die USA geliefert werden, in der auch nur eine chinesische Schraube steckt. Der Bann der USA gegen die Lieferung von Hochtechnologiechips an chinesische Firmen trifft auch Lieferanten aus Deutschland. Die Niederlande und Japan wehren sich allerdings gegen diese Exportbeschränkungen. Künftig will Washington auch Investitionen, Beratungsleistungen und Technologietransfers an chinesische Firmen kontrollieren.

Häufig wird auf Huawei als trojanisches Pferd der 5G-Telekommunikations-Infrastruktur hingewiesen. Huawei würde demnach der chinesischen Regierung Zugang zu Computersystemen etwa in Deutschland verschaffen, um Daten abzusaugen oder Geheimcodes einzupflanzen für Cyberattacken. Es gibt bisher aber keinerlei Belege für diese Anschuldigungen. Vielmehr zeigt die Erfahrung, dass Cyber-Sicherheitsexperten solche Geheimcodes entdecken würden, wenn sie denn eingepflanzt wären.

Die Anschuldigungen gegen Huawei bestehen vermutlich deshalb, weil es zusammen mit Ericsson und Nokia das 5G-Geschäft dominiert, mit einem gemeinsamen Weltmarktanteil von 80%. US-Unternehmen sind hier nicht zu finden. Und Huawei führt im weltweiten Patentrennen für 5G.

Seine schlechte Presse liegt auch daran, dass Huawei Sorgen und Kritik mit Arroganz begegnet. Ungeachtet dessen spricht meines Erachtens wenig dagegen und einiges dafür, dass es am Aufbau der hiesigen 5G-Infrastruktur mitwirkt.

Fazit: Es wäre klug, einseitige Abhängigkeiten abzubauen, für die es keine gegenseitigen Zugänge in China gibt. Das trifft nicht auf die Beteiligung an Häfen zu, wohl aber auf wichtige Rohstoffe und manche Seltenen Erden. Und der Schutz geistigen Eigentums ist nach wie vor eine Aufgabe.

Deutschland und Europa sollten sich nicht an einer Strategie der Eindämmung, sondern der Einbindung Chinas und des gegenseitigen Respekts beteiligen, was offene Kritik und Druck nicht ausschließt. Sie sollten sich als friedenspolitisch orientierte Mächte positionieren und eine Vermittlerrolle zwischen Washington und Beijing wahrnehmen, auch um das erwähnte strategische Rahmenwerk in die Tat umzusetzen. Diese Rolle sollten sie nicht durch geopolitisches Abenteurertum verspielen.

Aus Zeitgründen kann ich einige wichtige Stichworte nicht erläutern. Stattdessen verweise ich auf zwei weiterhin gültige Studien der Informationsstelle Militarisierung: China gegen den Rest der Welt? Zur Neuordnung der Weltpolitik, von Andreas Seifert, herunterzuladen unter www.imi-online.de/download/IMI-Studie2021-02China.pdf. Und: Aufmarsch im Indo-Pazifik. Der Westen und der Neue Kalte Krieg mit China in der indopazifischen Region, von Jürgen Wagner, herunterladbar unter www.imi-online.de/download/Aufmarsch-Indopazifik.pdf.

Russland ist von diesen drei Ländern für mich und vielleicht auch für euch das schwierigste Thema, weil die Situation durch diesen verbrecherischen Krieg so verfahren ist. Es wird aber zu einem Waffenstillstand und zu Friedensverhandlungen kommen, und dann stellt sich die Frage, wie es weitergehen kann zwischen Russland und dem Westen. Ein Rahmenwerk analog dem für China, insbesondere mit den Schritten 1 und 3, ist trotz allem durchaus vorstellbar und wäre hilfreich. Der schrittweise Abbau von Sanktionen könnte ein Anreiz für Russland zur Schaffung solcher gemeinsamen Sicherheit sein. 

Die Überlegungen zu China in Schritt 1 eines Rahmenwerks sind weitgehend auf Russland übertragbar. Zu den roten Linien Russlands gehört die Aufnahme der Ukraine in die Nato. Umgekehrt würden Sicherheitsgarantien für die Ukraine und die Achtung ihrer territorialen Souveränität dringend nötig sein. Beides gilt auch für Russland. Generell besteht die Notwendigkeit, sich in die jeweiligen Sicherheitsbedürfnisse hineinzuversetzen. Auch hier würden ergänzende Leitplanken dazugehören etwa zur Verbreitung von Atomwaffen, Weltraum und dem Verzicht auf Cyberattacken.

Bezüglich Schritt 3 eines Rahmenwerks würde eine strategische Kooperation zum Klimaschutz ganz oben stehen, vielleicht sogar zum Ausbau der Wasserstofftechnologie in Russland. Abrüstungsabkommen zum Beispiel über Mittelstreckenraketen und Atomwaffen wären in höchstem Maße wünschenswert, auch als vertrauensbildende Maßnahmen. Das träfe außerdem auf die Lockerung von Restriktionen für NGO’s zu. Man soll ja nicht zu träumen aufhören.

Ich komme zum Schluss. Ist die Devise „Wandel durch Annäherung“ aus der Entspannungspolitik im Falle Russlands gescheitert? Zur Zeit der Entspannungspolitik hat sie gut funktioniert und den Weg aus einem gefährlichen Kalten Krieg gewiesen. Dass in den letzten Jahrzehnten kaum eine Annäherung festzustellen war und wir heute einen heißen Krieg erleben müssen, hat mit komplizierten Problemen im gegenseitigen Verhältnis und in Russland selbst, aber auch mit fehlendem politischen Willen der Nato zu tun. Vor diesem Hintergrund war die Energiepartnerschaft mit Russland leider nicht die erhoffte Versicherung gegen einen völkerrechtswidrigen russischen Angriffskrieg. Sie hat diesen vielmehr mitfinanziert.

Vielen Dank für eure Langmut.

Autoritäre Regierungen
Weiterführende Links

Videoaufzeichnung des Vortrags Weiterleiten

Ankündigung Online-Vortrag Weiterleiten

Kategorie: Allgemein, Theorie & Praxis Stichworte: China, Iran, Russland

05.12.2022

Unsere Spendenprojekte zu Weihnachten

Liebes DFG-VK-Mitglied und liebe*r Freund*in des Verbandes,

der völkerrechtwidrige russische Einmarsch in die Ukraine hat bereits zu zehntausenden Toten, hunderttausenden Verletzten und Millionen Geflüchteten geführt. Zudem hat der Krieg eine Rüstungsspirale von unvorstellbarem Ausmaß in Gang gesetzt. Viele Menschen haben derzeit Angst vor einem Einsatz von Atomwaffen.

Als größte und älteste deutsche Friedensorganisation unternehmen wir alles in unserer Macht Stehende, um den Krieg und die Aufrüstung zu stoppen. Wir organisieren Friedensproteste, machen antimilitaristische Aktionen, versuchen auf UN-Ebene etwas zu bewegen und sprechen direkt mit Politiker*innen, um ihnen neue, nicht-militärische Perspektiven aufzuzeigen. In unserer Chronik zeigen wir einen Ausschnitt unserer Aktivitäten der letzten Monate.

Dabei sind unsere Mittel – im Gegensatz zu denen der Militärs – sehr begrenzt. Wir sind auf Spenden angewiesen. Für zwei Projekte brauchen wir dabei konkret Hilfe. Zum einen planen wir eine Jugendbegegnung von Wehrverweigerer*innen und Kriegsgegner*innen aus Belarus, Frankreich und Deutschland. Zum anderen wollen wir unsere Aktivitäten für ein internationales Verbot autonomer Waffensysteme verstärken.

Enden wollen wir hier mit einer positiven Nachricht: Dank vieler Spenden konnten wir im September endlich ein neues Friedensfahrzeug anschaffen. Es ist sauberer und größer als sein Vorgänger und wird uns in den nächsten Jahren bei unseren vielen Aktionen unterstützen. Gemeinsam können wir die Friedensarbeit voranbringen!

Herzlichen Dank für deine Unterstützung und eine schöne Weihnachtszeit

Christoph Neeb (Bundeskassierer der DFG-VK)

Spenden Weihnachten 2022

Du hast die Möglichkeit mit deiner Spende zu beeinflussen, in welchem Umfang wir an unseren zwei ausgewählten Projekten arbeiten und somit unsere angestrebten Ziele erreichen können. So einfach gehts:

1. Schau dir unsere beiden Spendenprojekte zu Weihnachten an.

2. Entscheide dich, welches Projekt dir wichtig ist und du gerne fördern möchtest – jeder Euro zählt!

3. Gehe auf unsere Spendenseite unter www.dfg-vk.de/spenden (per Lastschrift, GiroPay) oder klicke den PayPal-Link, um uns eine Spende zukommen zu lassen. Gib in dem Überweisungsformular das Stichwort des Projektes an, für das deine Spende eingesetzt werden soll.

STOPPT DIE ZWEITE FRONT! – JUGENDBEGEGNUNG MIT KRIEGSGEGNER*INNEN AUS BELARUS

Stichwort: Jugendbegegnung
Spendenziel: €8.000,-

Fast 20.000 jungen Menschen sind laut der Organisation „Nash Dom“ (dt. Unser Haus) mittlerweile aus Belarus geflohen. Sie wollen nicht in der Armee des Diktators Alexander Lukaschenko dienen, da sie fürchten, als Soldaten früher oder später in den russischen Krieg gegen das „Brudervolk“ in der Ukraine hineingezogen zu werden. Bereits seit Februar sind zahlreiche belarussische Truppen direkt an der Grenze zur Ukraine stationiert – es droht eine zweite Front im Krieg gegen die Ukraine. Die Organisation „Nash Dom“ unterstützt junge Menschen bei der Flucht vor dem Kriegsdienst und hilft ihnen in anderen Ländern Asyl zu bekommen. Das Ziel: Eine zweite Front verhindern.

Proteste gegen Lukaschenko in Belarus

Für August 2023 planen unsere jungen Aktiven aus dem U35-Netzwerk eine internationale Jugendbegegnung in Berlin. Wehrverweigerer*innen und Kriegsgegner*innen aus Belarus, Frankreich und Deutschland sollen sich treffen, austauschen und gemeinsame Aktivitäten gegen Krieg und Aufrüstung planen. Dafür geht es u.a. an die Ostsee nach Prora zur Gedenkstätte für Bausoldaten und Zwangsarbeiter*innen aus Belarus. Der Höhepunkt: Ein Lobby-Gespräch, in dem die Betroffenen vor Politiker*innen die Notwendigkeit von Asyl für Menschen, die keinen Wehrdienst wollen, betonen können und eine gemeinsame Aktion im Herzen der deutschen Hauptstadt. Um die Jugendbegegnung zu realisieren brauchen wir Unterstützung!

KILLERROBOTER STOPPEN! – FÜR EIN PRÄVENTIVES VERBOT AUTONOMER WAFFEN

Stichwort: Killerroboter
Spendenziel: €6.000,-

Stell dir vor Maschinen töten gezielt Menschen – vollkommen autonom und ohne, dass darüber je ein anderer Mensch entschieden hätte (was schon schlimm genug wäre). Solche Horrorvisionen, wie sie etwa in den „Terminator“-Filmen gezeigt werden, könnten in Zukunft Realität werden. Weltweit arbeiten zahlreiche Rüstungsfirmen und Militärs an automatisierten und autonomen Waffensystemen, die menschlicher Kontrolle entzogen sein könnten. Diese sollen „Feinde“ automatisch erkennen und töten – eine neue Dimension des Krieges. Oft werden sie nach dem Schießpulver und der Atombombe als dritte Revolution in der Kriegsführung bezeichnet. Um dies zu verhindern, streben wir als Teil der internationalen Campaign to Stop Killer Robots ein präventives Verbot solcher Waffen an.

Protest vor der Parteizentrale von Bündnis 90/Die Grünen

Dafür machen wir Aktionen, treffen Politiker*innen und sind sogar auf UN-Ebene aktiv: Bereits drei Mal war unser Campaigner Marius Pletsch (31) bei Sitzungen der Gruppe der Regierungsexpert*innen zum Schwerpunktthema „letale autonome Waffensysteme“ (LAWS) im Rahmen der „VN-Konvention über bestimmte konventionelle Waffen“ (CCW) in Genf. Dort reden wir mit – und wollen das auch in Zukunft tun. Dafür brauchen wir eine stabile finanzielle Grundlage. Deine Spende kann helfen, autonome Waffensysteme zu verbieten bevor es zu spät ist!

Weiterführende Links

Website des deutschen Zweigs der Campaign to Stop Killer Robots Weiterleiten

Website der internationalen Campaign to Stop Killer Robots Weiterleiten

Zur Arbeit von Nash Dom auf der Website von Bund für Soziale Verteidigung Weiterleiten

Kategorie: Abrüstung und Konversion, Aktuelle Kriegsgebiete, Allgemein, Anti-Militarisierung, Drohnenkriege, Kriege & Konflikte, Kriegsdienstverweigerung, Kriminalisierung von Kriegsgegner*innen, Pazifismus und Antimilitarismus, Theorie & Praxis, Waffen & Rüstung Stichworte: autonome Waffensysteme, Belarus, Killerroboter, Kriegsdienstverweigerung, Russland, Spendenbrief, Ukraine

20.11.2022

Starkes Zeichen für Frieden und Abrüstung

In über 30 Städten – von Hamburg bis München und Bonn bis Berlin – gab es am Samstag Friedensaktionen gegen den Krieg in der Ukraine und die Aufrüstung des Militärs. Die Organisator*innen sind zufrieden.

Ein Bündnis aus Friedens- und antimilitaristischen Gruppen hatte für den 19. November unter dem Motto „Stoppt das Töten in der Ukraine! – Aufrüstung ist nicht die Lösung“ zu bundesweiten dezentralen Aktionen aufgerufen.

Bundesweite Aktionen

Zahlreiche lokale Initiativen wurden aktiv: In Berlin bauten Aktivist*innen vor dem Bundeskanzleramt ein Rettungsboot auf und forderten „100 Milliarden Euro für Seenotrettung statt für Aufrüstung!“ Zudem gab es in der Hauptstadt eine Mahnwache vor der russischen Botschaft: „Wir fordern einen sofortigen Waffenstillstand mit einem Rückzug des russischen Militärs aus der Ukraine“ – hieß es dazu im Aufruf zum Aktionstag. Im nordhessischen Kassel wurde mit dem Modell einer auch in Deutschland gelagerten US-Atombombe vor atomarer Aufrüstung gewarnt. Und in Tübingen fand – verbunden mit einem Kongress der „Informationsstelle Militarisierung“ (IMI) – eine Kundgebung auf dem Marktplatz statt. Auch in Bad Hersfeld, Bamberg, Bielefeld, Bochum, Bonn, Braunschweig, Bremen, Dresden, Düsseldorf, Frankfurt, Freiburg, Gütersloh, Halle (Saale), Hamburg, Hannover, Heide/Dithmarschen, Ingolstadt, Kamenz, Karlsruhe, Köln, Königs-Wusterhausen, Krefeld, Laage, Limburg, Mainz, Mannheim, München, Münster, Neuwied, Saarbrücken und Saarlouis gab es Kundgebungen und Aktionen.

Protest bleibt weiter gefordert

Die aufrufenden Organisationen zeigen sich zufrieden und danken allen, die an dem Tag – trotz der eisigen Temperaturen – mitgewirkt haben. Vielerorts konnte ein starkes Zeichen gegen Krieg und Aufrüstung und für Frieden und Abrüstung gesetzt werden. Die Forderungen des Aktionstags wie etwa der „Schutz von Menschen, die vor Kriegen fliehen, die Aufnahme von Militärdienstentzieher*innen, Kriegsdienstverweigerer*innen sowie Deserteur*innen“ bleiben unverändert aktuell. Daher halten die Organisationen weitere Aktionen für dringend nötig und nehmen dabei auch den 24. Februar 2023 – den ersten Jahrestag der russischen Invasion – in den Blick.


Pressemitteilung des Bündnisses für den Aktionstag „Stoppt das Töten in der Ukraine – Aufrüstung ist nicht die Lösung“ vom 20.11.2022.

Stoppt das Töten in der Ukraine
Kontakt

Michael Schulze von Glaßer
DFG-VK
+4917623575236
svg@dfg-vk.de

Hendrik Küster
attac
+491794180 714 
hendrik.kuester@posteo.de

Annegret Krüger
Netzwerk Friedenskooperative
+49228692904
friekoop@friedenskooperative.de

Hannah Geiger
VVN-BdA
+491782785958
presse@vvn-bda.de

Aufrufende Organisationen

Aktionsgemeinschaft Dienst für den Frieden | attac | Bund für Soziale Verteidigung | Deutsche Friedensgesellschaft – Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen | Frauennetzwerk für Frieden | IPPNW | NaturFreunde Deutschlands | Netzwerk Friedenskooperative | | Ohne Rüstung Leben | Omas gegen Rechts München | Rheinmetall entwaffnen | Rostocker Friedensbündnis | VVN-BdA

Weiterführende Links

Alle Aktionsfotos Weiterleiten

Website „Stoppt das Töten in der Ukraine – Aufrüstung ist nicht die Lösung!“ Weiterleiten

Kategorie: Aktuelle Kriegsgebiete, Anti-Militarisierung, Kriege & Konflikte, Pazifismus und Antimilitarismus, Pressemitteilung, Theorie & Praxis, Waffen & Rüstung Stichworte: Aktionstag, Aufrüstung, Russland, Ukraine

14.11.2022

Stoppt das Töten in der Ukraine

Friedensgruppen planen Aktionen gegen Krieg und Aufrüstung

Für den 19. November 2022 rufen Friedensgruppen zu dezentralen Protesten gegen den Krieg in der Ukraine und die Aufrüstung des Militärs auf – in zahlreichen Städten von Hamburg bis München und Bonn bis Berlin sind Aktionen geplant.

Vor knapp neun Monaten begann die Invasion russischer Truppen in die Ukraine. Der russische Angriff hat zu zehntausenden Toten, hunderttausenden Verletzten und Millionen Geflüchteten geführt – das Leid der Menschen hält unvermindert an, wobei der militärische Konflikt bereits 2014 begann.

Der Angriffskrieg in der Ukraine hat zudem eine massive Aufrüstung in Gang gesetzt: Allein die Bundeswehr soll mit einem sogenannten „Sondervermögen“ in Höhe von 100 Milliarden Euro um neue Kampfjets, Panzer und andere Waffen hochgerüstet werden und der Rüstungsetat soll dauerhaft massiv steigen. Und all das in Zeiten einer noch immer grassierenden Corona-Pandemie, eines fortschreitenden Klimawandels und einer ökonomischen Krise, die immer mehr Menschen in die Armut führt.

Aktionen in über 20 Städten

Dagegen hat sich ein Bündnis aus gut einem Dutzend Friedens- und antimilitaristischen Organisationen formiert und für den 19. November 2022 unter dem Motto „Stoppt das Töten in der Ukraine! – Aufrüstung ist nicht die Lösung“ zu Aktionen aufgerufen.

Stoppt das Töten in der Ukraine-Banner

Geplant sind Aktionen in knapp zwanzig Städten. So werden in Berlin Aktivist*innen unter dem Slogan „Retten statt Rüsten“ ein Zeichen für Seenotrettung statt Aufrüstung setzen, gefolgt von einer Aktion gegen den russischen Einmarsch in der Ukraine vor der russischen Botschaft. In Tübingen wird eine Aktion von der dort stattfindenden Konferenz der „Informationsstelle Militarisierung“ ausgehen. In Halle (Saale) ist eine Antikriegs-Mahnwache auf dem Marktplatz geplant. Auch in Bamberg, Bonn, Bremen, Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg, Hannover, Heide/Dithmarschen, Ingolstadt, Kamenz, Karlsruhe, Kassel, Köln, Laage, Limburg, Mainz, München und Neuwied wird es Aktionen gegen die Aufrüstung und den Krieg geben – weitere können noch dazukommen.

Waffenstillstand statt Aufrüstung

Die organisierenden Gruppen fordern mit dem Aktionstag ein Umdenken der Politik: „Wir fordern einen sofortigen Waffenstillstand mit einem Rückzug des russischen Militärs aus der Ukraine. Es braucht Friedensverhandlungen“, heißt es im Aufruf zum Aktionstag. Weiter heißt es: „Die aktuelle Rüstungsspirale, an der viele Staaten der Welt, darunter Deutschland, beteiligt sind, muss zum Wohle aller Menschen gestoppt werden.“ Auch fordern die Gruppen von der Bundesregierung „den Schutz von Menschen, die vor Kriegen fliehen, die Aufnahme von Militärdienstentzieher*innen, Kriegsdienstverweigerer*innen sowie Deserteur*innen“ aus allen am Krieg beteiligten Staaten.

Eine Liste der geplanten Proteste, den vollständigen Aufruf sowie Materialien gibt es auf der Aktionswebsite.


Pressemitteilung des Bündnisses für den Aktionstag „Stoppt das Töten in der Ukraine – Aufrüstung ist nicht die Lösung“ vom 14. November 2022

Aufrufende Organisationen

Aktionsgemeinschaft Dienst für den Frieden | attac | Bund für Soziale Verteidigung | Deutsche Friedensgesellschaft – Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen | Frauennetzwerk für Frieden | IPPNW | NaturFreunde Deutschlands | Netzwerk Friedenskooperative | | Ohne Rüstung Leben | Omas gegen Rechts München | Rheinmetall entwaffnen | Rostocker Friedensbündnis | VVN-BdA

Stoppt das Töten in der Ukraine
Kontakt

Michael Schulze von Glaßer
DFG-VK
+4917623575236
svg@dfg-vk.de

Hendrik Küster
attac
+491794180 714 
hendrik.kuester@posteo.de

Annegret Krüger
Netzwerk Friedenskooperative
+49228692904
friekoop@friedenskooperative.de

Hannah Geiger
VVN-BdA
+491782785958
presse@vvn-bda.de

Weiterführende Links

Website „Stoppt das Töten in der Ukraine – Aufrüstung ist nicht die Lösung!“ Weiterleiten

Pressemitteilung des Bündnisses für den Aktionstag „Stoppt das Töten in der Ukraine – Aufrüstung ist nicht die Lösung“ vom 13. Oktober 2022 Weiterleiten

Kategorie: Aktuelle Kriegsgebiete, Kriege & Konflikte, Pressemitteilung Stichworte: Aktionstag, Aufrüstung, Russland, Ukraine

10.11.2022

Wintershall Dea muss Geschäfte mit Putin beenden!

Russische Kampfjets sollen laut Medienberichten mit Treibstoff des deutschen Konzerns Wintershall Dea betrieben werden.
Friedens- und Klimaaktivist*innen protestierten am Donnerstag für ein Ende der blutigen und klimaschädlichen Geschäfte mit Russland und forderten die Vergesellschaftung des Energiekonzerns.

Eine schockierende Szene konnten Passant*innen am Donnerstagmittag vor der Firmenzentrale des Gaskonzerns Wintershall Dea im nordhessischen Kassel erblicken. Rund ein dutzend „Tote“ mit blutverschmierter Kleidung lagen im Eingangsbereich des Gebäudes – zum Glück nur ein Schauspiel von Aktivist*innen. „Wir wollten zeigen, was Wintershall Dea mit seinen Geschäften anrichtet“, erklärte Michael Schulze von Glaßer von der „Deutschen Friedensgesellschaft – Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen“ (DFG-VK) dazu.

Windershall Dea-Die in
Protest vor der Wintershall-Zentrale

Aktuelle Recherchen des SPIEGEL und des ZDF-Magazins „Frontal“ hatten herausgefunden, dass Wintershall Dea in Russland gemeinsam mit einem Partnerunternehmen Gaskondensat und damit einen Grundstoff für Kerosin herstellt. Dieser Stoff wird an den russischen Energie-Staatskonzern „Gazprom“ verkauft, der wiederum größter Hersteller von Treibstoff für russische Kampfjets ist.

„Laut den Recherchen sollen russische Jets mit dem Wintershall-Treibstoff im März Angriffe auf Tschernihiw rund 100km nördlich von Kiew sowie auf das Theater in Mariupol geflogen haben – dabei wurden über 300 Menschen getötet“, so Schulze von Glaßer weiter. Neben den „Toten“ hielten einige Aktivist*innen noch Transparente und Schilder hoch, „Kriegsverbrechen ermöglicht durch Wintershall Dea“ stand etwa auf einem.

Keine Steuergelder für Putins Krieg

Die Aktion wurde von der DFG-VK und der Gruppe „Klimagerechtigkeit Kassel“ (KligK) organisiert. Sie kritisieren nicht nur die Geschäfte mit „Gazprom“ zur Kerosin-Produktion, sondern auch die mit den Russland-Geschäften verbundenen Steuerzahlungen Wintershall Deas. In den ersten drei Quartalen 2022 sollen 320 Millionen Euro an Einkommensteuerzahlungen und 400 Millionen Euro an sogenannten Fördersteuern von Wintershall Dea an den russischen Staat geflossen sein.

„Neun Monate nach Beginn der großangelegten russischen Invasion der Ukraine trägt Wintershall Dea anders als etliche andere Unternehmen noch immer zur Finanzierung des russischen Staates und damit des Krieges bei“, kritisiert Pressesprecher Lasse Sommer von Klimagerechtigkeit Kassel.

Die Aktivist*innen forderten am Donnerstag endlich politische Konsequenzen für Deutschlands größten Öl- und Gasproduzenten, der allein für Emissionen in Höhe von über 10% der gesamten deutschen Treibhausgase verantwortlich ist. Mit ihren zahlreichen Methan-Lecks tragen die russischen Pipelines gravierend zur Klimakrise bei.

Kritik auch aus der Ukraine

„Wintershall Dea: Beendet eure blutigen und klimaschädlichen Geschäfte mit Russland! Sofort!“ war bei der Aktion auf einem Transparent zu lesen. Auch die ukrainische Umweltschutzorganisation „Ecoaction“ kritisiert Wintershall Dea.

Wintershall Dea-Protestanten

Ihre Forderung nach einem Ende der Russland-Geschäfte des Konzerns unterstreichen sie mit einer aktuellen Einladung an den Konzernvorstand, das ukrainische Kriegsgebiet zu besichtigen. Gewinne des Konzerns sollten für den Wiederaufbau der Ukraine verwendet werden. Auch für Reparationen der bislang bereits verursachten Klimazerstörung sollte Geld bereitgestellt werden, wie es von zahlreichen Vertreter*innen aus dem Globalen Süden auf der laufenden Weltklimakonferenz in Ägypten vehement gefordert wird.

Wintershall geht für Profite über Leichen

Doch unschuldige Menschenleben, rasant steigende Energiepreise und die lebensbedrohliche Klimakrise seien Wintershall Dea scheinbar egal – es würden nur Profite zählen, so die Kritik der Friedens- und Klimaaktivist*innen.

„Wenn sich ein Konzern so verantwortungslos verhält, muss er unter demokratische Kontrolle gestellt werden“, mahnte Sommer an. “Es kann nicht sein, dass nur die strauchelnden Gaskonzerne „WINGAS“ und „Uniper“ mit riesigen Verlusten für uns Steuerzahlende verstaatlicht werden, der Kriegsprofiteur Wintershall Dea aber Milliarden-Gewinne an die „BASF“-Aktionäre ausschüttet.”

Tatsächlich konnte Wintershall Dea durch die hohen Gaspreise in der Krise seine Schulden in Höhe von 3,3 Mrd. Euro nicht nur tilgen, sondern habe bis Ende September noch zusätzliche 1,8 Mrd. Euro Gewinn angehäuft. In ihrem gerade erschienenen Quartalsbericht rühmt sich das Unternehmen mit einem um 264 Prozent gestiegenen Nettogewinn im Vergleich zum selben Zeitraum vor einem Jahr.


Pressemitteilung der Deutschen Friedensgesellschaft – Vereinigte Kriegsdienstgegner*innen (DFG-VK) und der Gruppe Klimagerechtigkeit Kassel (KligK) vom 10. November 2022

Wintershall Dea-Proteste
Kontakt

Michael Schulze von Glaßer
Politischer Geschäftsführer der DFG-VK

svg@dfg-vk.de

Weiterführende Links

Website von Klimagerechtigkeit Kassel (KligK) Weiterleiten

Kategorie: Aktuelle Kriegsgebiete, Kriege & Konflikte, Pressemitteilung Stichworte: Russland, Wintershall Dea

  • « Go to Previous Page
  • Seite 1
  • Interim pages omitted …
  • Seite 4
  • Seite 5
  • Seite 6
  • Seite 7
  • Seite 8
  • Interim pages omitted …
  • Seite 11
  • Go to Next Page »
  • Mitglied werden
  • Spenden
  • Impressum
  • Datenschutzerklärung

Copyright © 2026 Deutsche-Friedensgesellschaft Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen · Anmelden