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26.08.2025

Zwei unterschiedliche Wege zum Weltfrieden?

Erich Mühsam und Bertha von Suttner, anarchistischer Antimilitarismus und organisierter Pazifismus

Die ZivilCourage-Redaktion hat mich gebeten, die anarchistisch-antimilitaristischen Positionen Erich Mühsams zu skizzieren und aufzuzeigen, was die Unterschiede zwischen Pazifismus und Anarchistischem Antimilitarismus sind. Diese Frage möchte ich mithilfe Mühsams und einer weiteren historischen Persönlichkeit beantworten: Bertha von Suttner. Sie ist eine Ikone des organisierten Pazifismus, während Mühsams Leben und Werk vor allem von Anarchist*innen und Antifaschist*innen gewürdigt werden.

Bertha von Suttner

Die 1843 geborene österreichische Pazifistin Bertha von Suttner ist Namensgeberin der Bertha-von-Suttner-Stiftung. Sie war die erste Frau, die mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet wurde, und auch diejenige, die Alfred Nobel, den Erfinder des Dynamits, dazu inspirierte, diesen Preis zu stiften. Ihr 1889 erschienener Bestseller „Die Waffen nieder“ ist ein Roman über die Kriegsgräuel ihrer Zeit. Wie viele Pazifist*innen noch heute, appellierte sie an die Regierungen und forderte eine allgemeine Abrüstung und eine friedliche Beilegung von Streitigkeiten auf der Grundlage eines Völkerrechts. Ihr Buch machte sie zu einem Star der Friedensbewegung und inspirierte 1891 die Gründung der „Österreichischen Gesellschaft der Friedensfreunde“. Die soziale Basis dieser sich als „unpolitisch“ verstehenden Gesellschaft war der liberale Adel (1). Das traf ebenso auf die 1892 in Berlin gegründete Friedensgesellschaft zu, deren Nachfolgeorganisation heute als Deutsche Friedensgesellschaft – Vereinigte Kriegsdienstgegner*innen (DFG-VK) die größte pazifistische Organisation in Deutschland ist.

Erich Mühsam

Der 1878 geborene Erich Mühsam war u.a. durch die russischen Anarchisten Peter Kropotkin, Michail Bakunin und Leo Tolstoi inspiriert (2). Neben Gustav Landauer, Rudolf Rocker und Ernst Friedrich war er einer der einflussreichsten deutschen Anarchisten seiner Zeit. Mühsam war jüdischer Konfession, trat als Atheist aber aus dem Judentum aus.

Als Schriftsteller berühmt wurde er durch satirische Texte. Seine Gedichte, z.B. „Sich fügen heißt lügen“ und „Der Lampenputzer“, wurden musikalisch u.a. von Konstantin Wecker, Harry Rowohlt, Christoph Holzhöfer, Slime und Dieter Süverkrüp interpretiert.

Während des Ersten Weltkriegs versuchte er – ohne Erfolg – einen „Internationalen Bund der Kriegsgegner“ zu gründen. 1915 wurde er aufgrund seiner Kriegsdienstverweigerung zu sechs Monaten Haft verurteilt. Er war Autor u.a. in der vom Anarchopazifisten Gustav Landauer herausgegebenen Zeitschrift „Der Sozialist“ und in der von Carl von Ossietzky verantworteten „Weltbühne“.

Als sozialrevolutionärer Agitator war er 1919 maßgeblich an der Ausrufung der Münchner Räterepublik beteiligt. Dafür saß er fünf Jahre in Festungshaft. Redakteur der anarchistischen Monatsschrift „Fanal“ war er von 1926 bis zum Verbot 1931 – wegen „Verächtlichmachung der Reichsregierung“.

Am 28. Februar 1933 wurde der bekannte Antifaschist verhaftet und am 10. Juli 1934 nach KZ-Haft und Folter auf bestialische Weise im KZ Oranienburg von SS-Männern ermordet.

Mühsam und Suttner

Aus antimilitaristischer Sicht besonders interessant ist „Kain“, die anarchistische „Zeitschrift für Menschlichkeit“ (Untertitel), die Mühsam von 1911 bis 1919 herausgab. Sie konnte während des Ersten Weltkriegs aufgrund der Pressezensur nicht mehr erscheinen.

Nach dem Tod Bertha von Suttners veröffentlichte Mühsam im Juli 1914 in „Kain“ Nr. 4 einen Nachruf auf die Nobelpreisträgerin. Er ehrt ihre Haltung und betont das gemeinsame Ziel, „den Weltfrieden“. Zudem spricht er die Unterschiede von Pazifismus und anarchistischem Antimilitarismus an: „Wir glauben nicht an internationale Verständigung zwischen den Staaten. Denn wir wissen, dass Staaten feindliche Abgrenzungen der Länder gegeneinander bedeuten.“ Mühsam war überzeugt, dass die Bevölkerungen, nicht die Regierungen, die Kriege aus der Welt schaffen werden. „Kapitalistische Staaten haben kapitalistische Interessen, und kapitalistische Interessen wissen nichts von Idealen. (…) Solange es Staaten und Heere gibt, wird es Kriege geben. Wir nehmen Bertha von Suttners Kampfruf auf, aber wir geben ihn nicht den Herrschern und Regierungen weiter, sondern den Völkern und Armeen: Die Waffen nieder!“ (3)

Mühsam setzte sich zeitlebens für eine soziale Revolution und eine freiheitlich-sozialistische Gesellschaft ein. Als Anarchist sah er die Hauptkriegsursache im Staat, in der Herrschaft von Menschen über Menschen, im System Befehl und Gehorsam, das den Massenmord auf Kommando erst möglich macht.

Im deutschen Kaiserreich begann die Militarisierung schon im Kindergarten. Mühsam erlebte Antisemitismus, Prügelpädagogik und den Kadavergehorsam preußischer Prägung.

Die DFG war zu Mühsams Zeiten eine von Adeligen und großbürgerlichen Gönnern dominierte elitäre Organisation, die Deserteure und KDVer nicht unterstützte und zum großen Teil den vermeintlichen „Verteidigungskrieg“ befürwortete. Wie die SPD wollten viele dieser bürgerlichen Pazifist*innen das Militär nicht abschaffen, sondern demokratisieren. Über die von ihnen abgehaltenen „Friedenskongresse“ spottete Mühsam:

„Wie arg es zugeht auf der Welt,
wird auf Kongressen festgestellt.
Man trinkt, man tanzt, man redet froh,
und alles bleibt beim Status quo.“ (4)   

Das Zerbrochene Gewehr

Das heute auch von Pazifist*innen und nicht anarchistischen Antimilitarist*innen genutzte Zerbrochene Gewehr war bis Ende des Ersten Weltkriegs ein Symbol, das fast ausschließlich von antimilitaristischen Anarchist*innen genutzt wurde. Es diente ihnen nicht nur zur – im Kaiserreich oft kriminalisierten – Agitation gegen den Militarismus und für Kriegsdienstverweigerung, Desertion und Sabotage an der Waffenproduktion, sondern auch als Erkennungszeichen. Seit Januar 1909 nutzten es die niederländischen Anarchist*innen der „Internationalen Anti-Militaristischen Vereniging“ in der Kopfzeile ihrer Zeitschrift „De Wapens neder“. Auch die anarchokommunistische Zeitung „Der Freie Arbeiter“ hatte es ab April 1909 in der Kopfzeile. Nach dem Ersten Weltkrieg war das Zerbrochene Gewehr zudem oft auf den Titelseiten der anarchosyndikalistischen Wochenzeitung „Der Syndikalist“ und auf Zeitschriften der anarchistischen Jugend zu sehen.

WRI

1921 wurde in den Niederlanden zunächst unter dem Namen „Paco“ (Esperanto-Wort für Frieden) die War Resisters’ International (WRI) (Internationale der Kriegsdienstgegner*innen) gegründet. Die WRI ist ein Netzwerk von anarchistischen und nicht-anarchistischen Antimilitarist*innen, Pazifist*innen und Kriegsdienstverweiger*innen. Ihr gehören 90 Organisationen in 40 Ländern an, in Deutschland u.a. die DFG-VK, die IdK und seit 1972 die gewaltfrei-anarchistische Monatszeitschrift Graswurzelrevolution.

Allen Unterschieden zwischen Pazifist*innen und anarchistischen Antimilitarist*innen zum Trotz, können sich heute viele von ihnen auf das Zerbrochene Gewehr als Symbol und die WRI-Erklärung als Handlungsmaxime einigen: „Krieg ist ein Verbrechen gegen die Menschheit. Deshalb bin ich fest entschlossen, keine Form von Krieg zu unterstützen und danach zu streben, alle Ursachen für Krieg zu beseitigen.“

Lasst uns gemeinsam den Rechtsruck und die Remilitarisierung stoppen und das Menschenrecht auf Kriegsdienstverweigerung und Asyl für Deserteur*innen durchsetzen.

Bernd Drücke

Dr. phil. Bernd Drücke ist Soziologe, seit Januar 1999 verantwortlicher Redakteur der Graswurzelrevolution und seit 2001 Mitglied der DFG-VK.

Anmerkungen:

1) Die Namensgeberin: Bertha von Suttner (1843-1914),https://bertha-von-suttner-stiftung.de/?page_id=55

2) Siehe: Tripper, Bandwurm, Anarchie. Erich Mühsams Tagebücher bieten Einblick ins Seelenleben, in die Ideenwelt, in Irrungen und Wirrungen eines sympathischen Anarchisten, Bernd Drücke, in: Erich Mühsam. Jedoch der Mut ist mein Genosse. Texte über Kampf und Revolution. Hg. von Peter Bürger und Lebenshaus Schwäbische Alb, edition pace, Hamburg 2025, S. 229 ff. ; Peter Bürger (Hg.): Erich Mühsam. Das große Morden. Texte gegen Militarismus und Krieg, edition pace, Hamburg 2025 ; Zur pazifistischen Kritik an Mühsams zeitweiliger Abkehr vom Anarchopazifismus tolstoischer Prägung siehe Peter Bürgers Artikel: Antimilitarismus und revolutionärer Militarismus? Anmerkungen zu Erich Mühsams Texten über Kampf und Revolution, https://www.graswurzel.net/gwr/2025/06/antimilitarismus-und-revolutionaerer-militarismus/

3) Nachruf von Erich Mühsam auf Bertha von Suttner (1914), in: Beatrix Müller-Kampel (Hg.), „Krieg ist der Mord auf Kommando“, Bürgerliche und anarchistische Friedenskonzepte Bertha von Suttners und Pierre Ramus, Verlag Graswurzelrevolution, Nettersheim 2005, S. 155

4) Erich Mühsam: Kalender 1913, in: Brennende Erde, München 1920

Kategorie: Zivilcourage

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