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10.09.2026

PM: Unzwingbar: K.I.Z, Disarstar und Co. spielen bei „unzwingbar“-Kundgebung gegen Wehrpflicht

Großkundgebung am 2. Oktober 2026 in Berlin

Was: Großkundgebung „unzwingbar: Kein Bock auf Krieg und Wehrpflicht!“
Wann: 2. Oktober, 16 bis ca. 20 Uhr
Wo: Brandenburger Tor, Berlin
Wer: Mit Musik von K.I.Z, Disarstar, Guterzogene Asis, Fruchtiger Beigeschmack, I´m DMA, Skuff Barby u.a. sowie Reden von Laetitia Malotka (IPPNW-Medizinstudierende) und Jürgen Grässlin (Bundessprecher DFG-VK). Weitere Gäste werden in den nächsten Tagen bekanntgegeben.

(Die Künstler*innen und Redner*innen können für Interviews angefragt werden.)

Am 2. Oktober wird der Platz vor dem Brandenburger Tor in Berlin zur Bühne des friedenspolitischen Protests. Unter dem Motto „unzwingbar: Kein Bock auf Krieg und Wehrpflicht!“ rufen Künstler*innen, Friedensorganisationen und zivilgesellschaftliche Bündnisse zu einer Großkundgebung auf. Erwartet werden mehrere Tausend Teilnehmer*innen.

Mit dabei bei diesem einzigartigen Kultur- und Politevent sind K.I.Z, der Hamburger Rapper Disarstar, die Techno-Tekk-Combo Guterzogene Asis, die Münchner Indie-Jazz-Band Fruchtiger Beigeschmack und viele andere. Sie alle stellen sich nicht nur musikalisch hinter die Botschaft: gegen die drohende Wiedereinführung einer Wehrpflicht, Aufrüstung und Kriegsrhetorik!

Doch nicht nur Künstler*innen stellen sich gegen Zwangsdienst und Rüstungswahn. Von der Schulstreikbewegung über Kriegsdienstverweigerer bis hin zu Vertreter*innen der Zivilgesellschaft sind eindringliche Redebeiträge angekündigt. Die Veranstaltung versteht sich als sichtbares Zeichen des Widerstands gegen die zunehmende Militarisierung der Gesellschaft – und reiht sich ein in die Aktionen, die vom überparteilichen Schulstreikbündnis gegen die Wehrpflicht getragen werden.

Den überregionalen Auftakt bildet dann auch der bundesweite Schulstreik am 25. September. Die Berliner Großkundgebung am 2. Oktober setzt eine Woche später den Protest energisch fort und liefert den Startschuss für ein Wochenende vielfältiger friedenspolitischer Aktivitäten. Sie verleiht mit der zentralen Großkundgebung den friedenspolitischen Forderungen ein kraftvolles, sichtbares Gesicht.

„unzwingbar“ trägt den Unwillen der jungen Menschen auf die Straße, sich am Aufrüstungswahn und der zunehmenden Militarisierung der Gesellschaft zu beteiligen, die von der Bundesregierung vorangetrieben werden. Wir sagen Nein zu Krieg und Zwangsdienst.

Forderungen der Kundgebung „unzwingbar“ am 2. Oktober 2026 in Berlin:

  • Keine Reaktivierung der Wehrpflicht!
  • Keine Rekrutierung von Minderjährigen durch die Bundeswehr!
  • Bundeswehr raus aus den Schulen, Universitäten und der Forschung!
  • Vollumfängliche Anerkennung der Kriegsdienstverweigerung als Menschenrecht und Asylgrund für Menschen weltweit!
  • Geld für Bildung, Gesundheit und Soziales statt für Aufrüstung und Krieg!

Es rufen auf: die Friedensorganisationen DFG-VK, IPPNW, Netzwerk Friedenskooperative und Ohne Rüstung Leben gemeinsam mit Attac, Medico International, Naturfreunde Deutschlands, der DGB-Jugend, der DIDF-Jugend, dem Internationalen Jugendverband (IJV) sowie Aktiven der Schulstreiks gegen Wehrpflicht. Unterstützt wird das Event von zahlreichen weiteren Verbänden wie z.B. Connection e.V., Sea-Watch, der Naturschutzjugend, Greenpeace und pax christi.

Mehr Informationen: www.unzwingbar.de

Bei Fragen nehmen Sie bitte jederzeit Kontakt zu uns auf:

Yannick Kiesel (kom. pol. Geschäftsführer):
kiesel@dfgvk.de
01578/3452092

Kategorie: Allgemein, Pressemitteilung, Waffen & Rüstung Stichworte: Atomwaffen, friedensfähig, Hyperschallwaffen, Mittelstreckenwaffen

09.09.2026

„Nichts weniger als Verhandlungen“: Kampagne „Stop Killer Robots“ drängt auf UN-Abkommen

8. September 2026 – Vom 31. August bis zum 4. September trafen sich Staaten in Genf, um im Rahmen der Gruppe der Regierungsexperten (GGE) unter dem Übereinkommen über bestimmte konventionelle Waffen (CCW) – dem multilateralen Forum, das sich derzeit mit der Autonomie von Waffensystemen befasst – über autonome Waffen zu beraten. Dies war die letzte Gelegenheit für die Staaten, einen Text auszuarbeiten, der als Grundlage für Verhandlungen über einen Vertrag über autonome Waffen dienen könnte, wenn sie auf der CCW-Überprüfungskonferenz im November über ihre nächsten Schritte entscheiden.

Das Treffen fand nur wenige Tage nachdem der UN-Generalsekretär und der Präsident des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz einen erneuten Aufruf an die Staaten gerichtet hatten, „politischen Mut zu zeigen und über schrittweise Diskussionen hinaus zu entschlossenem Handeln überzugehen“, was einen Rechtsrahmen für autonome Waffen betrifft. Sie forderten die Staaten nachdrücklich auf, dringend ein rechtsverbindliches Instrument auszuhandeln, das strenge Verbote und Beschränkungen festlegt, und warnten, dass „ein Versäumnis, schnell und entschlossen zu handeln, Menschenleben kosten wird“.

Die von autonomen Waffen ausgehenden Risiken haben sich in den vergangenen drei Jahren der Diskussionen in der GGE nur noch verstärkt, da die Entwicklung und der Einsatz zunehmend autonomer Systeme mangels spezifischer Vorschriften rasant vorangeschritten sind. Eine Mehrheit der Staaten in der GGE erkennt diese dringenden Risiken an sowie die Notwendigkeit, Verhandlungen über ein Instrument aufzunehmen, das diesen Risiken begegnet. Am ersten Tag der Sitzung gaben Algerien im Namen der afrikanischen Staatengruppe und Brasilien im Namen einer Gruppe von 47 Staaten gemeinsame Erklärungen ab, in denen sie ihre Bereitschaft bekräftigten, Verhandlungen auf der Grundlage der Elemente voranzutreiben, die die GGE im Laufe ihres Mandats im Konsens erarbeitet hat. In einer Stellungnahme im Plenum wies „Stop Killer Robots“ auf die bedeutenden Fortschritte und Übereinstimmungen hin, die sich im Berichtsentwurf der Gruppe widerspiegeln, insbesondere hinsichtlich einer vorläufigen Charakterisierung autonomer Waffen und der Kernmaßnahmen, die erforderlich sind, um eine sinnvolle menschliche Kontrolle über diese Systeme zu gewährleisten und das Völkerrecht zu wahren. „Stop Killer Robots“ würdigte die Bemühungen des Vorsitzenden, des niederländischen Botschafters Robert in den Bosch, diese Fortschritte als Ausgangspunkt für Verhandlungen beizubehalten und zu berücksichtigen, wies jedoch darauf hin, dass entscheidende Themen, die derzeit im Text fehlen – wie beispielsweise ein Verbot autonomer Antipersonenwaffensysteme –, zu Beginn der Verhandlungen behandelt werden müssen.

Im Verlauf der Sitzung wurde jedoch deutlich, dass die Minderheit der Staaten, die sich gegen rechtlich bindende Regeln ausspricht, alles daran setzen würde, diese Elemente zu schwächen. Während das Mandat der GGE nur fünf Tage formeller Sitzungen vorsah, leisteten die Hohen Vertragsparteien auch im informellen Rahmen während der Mittags- und Abendstunden der Woche umfangreiche Arbeit, wobei Beobachter, darunter internationale und regionale Organisationen, Vertreter der Wissenschaft und der Zivilgesellschaft, von der Teilnahme ausgeschlossen waren. Dieser Ausschluss spiegelt einen besorgniserregenden Trend in multilateralen Foren der letzten Jahre wider, bei dem substanzielle Diskussionen hinter verschlossenen Türen stattfinden und die sinnvolle Beteiligung von Beobachtern zunehmend ausgehöhlt wird.

In den formellen Sitzungen bekundete eine kleine Anzahl militarisierter Staaten (die zudem stark in diese Systeme investiert sind) ihren Widerstand gegen mehrere Textabsätze – und brachte damit Konzepte erneut zur Sprache, die in einigen Fällen über Jahre hinweg mühsam diskutiert, überarbeitet und allgemein akzeptiert worden waren. Am 3. September wurde eine überarbeitete Fassung des Berichtsentwurfs der Gruppe vorgelegt, in der wesentliche Elemente gestrichen worden waren, darunter ethische Überlegungen sowie Konzepte der Zuverlässigkeit, Vorhersehbarkeit, Rückverfolgbarkeit und Erklärbarkeit. Die militarisierten Staaten kämpften hart für diese Streichungen und waren nun nicht mehr bereit, bestimmten Elementen zuzustimmen, die zuvor breite Unterstützung seitens der Mehrheit der im Saal anwesenden Staaten gefunden hatten.

Die Hohen Vertragsparteien verabschiedeten schließlich in den frühen Morgenstunden des Samstags einen Abschlussbericht, der jedoch zum Zeitpunkt der Abfassung dieses Artikels noch nicht veröffentlicht worden war. Erfreulicherweise enthält der Abschlussbericht nach wie vor eine brauchbare Charakterisierung autonomer Waffensysteme, die Anerkennung der Notwendigkeit menschlichen Urteilsvermögens und menschlicher Kontrolle, zentrale Maßnahmen zur Umsetzung dieser Kontrolle sowie die Bekräftigung, dass Verantwortung nicht auf Maschinen übertragen werden darf. Diese Maßnahmen sollten Schutz davor bieten, dass autonome Waffensysteme das bestehende humanitäre Völkerrecht (IHL) untergraben. Es ist enttäuschend, dass andere Elemente, die über die bestehenden Grundsätze und Anforderungen des humanitären Völkerrechts hinausgehende spezifische Verbote und Beschränkungen für autonome Waffen vorschlagen, nicht stärker ausgeprägt waren – und wir werden uns weiterhin dafür einsetzen, dass diese Anforderungen in anderen Foren anerkannt und behandelt werden. Dennoch müssen alle verbleibenden Meinungsverschiedenheiten zu diesen Elementen im Rahmen von Verhandlungen geklärt werden, die nicht länger hinausgezögert werden dürfen.

Da die Staaten auf der CCW-Überprüfungskonferenz im November über ihre nächsten Schritte entscheiden wollen, bleibt diese Reihe von Elementen nach wie vor ein ausreichender Ausgangspunkt für Verhandlungen über ein Rechtsinstrument zu autonomen Waffen in bewaffneten Konflikten.

Der globale Kontext zunehmender Autonomie bei Waffensystemen und die Schäden, die bereits durch deren uneingeschränkte Entwicklung, Erprobung und den Einsatz entstehen, erfordern dringendes Handeln. Sollte sich die CCW im November nicht darauf einigen, Verhandlungen über ein Rechtsinstrument aufzunehmen, müssen diejenigen, die eine sinnvolle menschliche Kontrolle über die Anwendung von Gewalt bewahren und die Automatisierung des Tötens verhindern wollen, Verhandlungen in einem Forum aufnehmen, das tatsächlich Maßnahmen ergreifen kann. Die Staaten dürfen nicht zulassen, dass die internationale humanitäre und rechtliche Landschaft von genau jenen Staaten als Geisel genommen wird, die diese Waffen vorantreiben. Staaten, internationale Organisationen, die Zivilgesellschaft und die breite Öffentlichkeit müssen dies tun, um Menschen zu schützen, zentrale Grundsätze des Völkerrechts zu verteidigen und gemeinsame rote Linien gegen eine entmenschlichte und gefährliche Zukunft zu ziehen. Wir müssen klarstellen, was die internationale Gemeinschaft und verantwortungsbewusste Akteure in einer zunehmend automatisierten Welt nicht akzeptieren können.

Die Entscheidungen, die die Staaten im Rahmen des CCW treffen, sind nicht abstrakt – es handelt sich nicht lediglich um technische oder rechtliche Debatten: Diese Diskussionen haben reale Konsequenzen für das Leben der Menschen, die unter Krieg leiden. Die Staaten im Rahmen des CCW tragen in diesem kritischen Moment eine große Verantwortung. Nichts weniger als Verhandlungen werden ausreichen.

Übersetzt mit DeepL, Original hier: https://www.stopkillerrobots.org/news/nothing-less-than-negotiations/

Weitere Informationen zur Kampagne „Killer Roboter stoppen“ finden sie hier: https://www.killer-roboter-stoppen.de und https://www.stopkillerrobots.org

Bei Fragen nehmen Sie bitte jederzeit Kontakt zu uns auf:

Marius Pletsch (Referent):
pletsch@dfg-vk.de
+49176/57933842

Kategorie: Allgemein, Pressemitteilung, Waffen & Rüstung Stichworte: Abrüstung, autonome Waffen, autonome Waffensysteme, CCW, Genf, GGE on LAWS, Rüstungskontrolle, UN-Waffenkonvention, VN-Waffenkonvention

08.09.2026

Rekrutierung in der Schule

von Mark Ellmann

Die bayerische Landesregierung darf Hochschulen nicht zur Kooperation mit der Bundeswehr verpflichten, so ein Urteil des Bayerischen Verfassungsgerichts über die Popularklage eines breiten Bündnisses aus 200 Klägerinnen und Klägern, darunter die Bayerischen Landesverbände der DFG-VK und der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). Damit wurde ein Erfolg gegen das Bayerische Gesetz zur Förderung der Bundeswehr errungen: In der für nichtig erklärten Regelung hieß es, dass bayerische Hochschulen mit der Bundeswehr zusammenarbeiten müssten, „wenn und soweit das Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst auf Antrag der Bundeswehr die Erforderlichkeit der Zusammenarbeit im Interesse der nationalen Sicherheit feststellt“ (siehe Pressemitteilung der GEW Bayern 13.03.2026).

Die richterliche Feststellung, dass eine Landesregelung, wie sie in Bayern versucht wurde, einen Verstoß gegen die Kompetenzordnung des Grundgesetzes darstellt, ist mit Blick auf andere Bundesländer, deren Regierungen sich am Bayerischen Bundeswehr-Fördergesetz ein Vorbild nehmen wollten, ein Erfolg.

Die Militarisierung der Schulen und Hochschulen in Bayern jedoch wurde vom Gericht nicht gestoppt, sondern vielmehr bestätigt. So bezeichnet das Bayerische Verfassungsgericht den Einsatz von Jugendoffizieren in Schulen als „sehr maßvollen Eingriff, der mit Blick auf die verfassungsrechtliche Gewährleistung der Funktionsfähigkeit der Bundeswehr und der Verteidigungsfähigkeit Deutschlands gerechtfertigt sei“ (zitiert aus oben genanntem Urteil, Aktenzeichen Vf. 3-VII-25).

Zu unserer Kritik, dass hier die pädagogischen Grundsätze des Beutelsbacher Konsenses gebrochen werden, übernimmt das Gericht die Argumentation der Staatsregierung: „Die Jugendoffiziere seien bei ihren Auftritten an Schulen an die Grundsätze des ‚Beutelsbacher Konsenses‘ (Überwältigungsverbot, Kontroversitätsgebot, Zielgruppenorientierung) gebunden, zu deren Einhaltung sich das Landeskommando Bayern in der Kooperationsvereinbarung (…) ausdrücklich verpflichtet hat.“ Wie es dem Offizier möglich sein soll, sowohl die Position der Armee als auch Kritik zum Beispiel aus der Friedensbewegung zu vermitteln, lässt das Gericht offen.

Das Gericht stellt fest, dass hier weder die Glaubens- und Gewissensfreiheit von Schüler*innen, Lehrer*innen oder Eltern verletzt werde, noch das Erziehungsrecht der Eltern, denn: „Die Verfassung schützt nicht vor der Konfrontation mit Fakten, auch wenn diese möglicherweise für die Bildung oder Bestätigung eines Weltbilds von Bedeutung sein können.“ Mit Blick auf die Hochschulen in Bayern, an denen die Zivilklausel verboten wurde, wiederholt das Gericht die Argumentation der regierenden CSU, nach der vielmehr die Zivilklausel eine Einschränkung der Wissenschaftsfreiheit darstelle, nicht deren Verbot.

Mit dem bayerischen Vorstoß im Rahmen des Gesetzes zur Förderung der Bundeswehr wird der Einsatz der Jugendoffiziere in Schulen zur Pflicht und damit die laufende Rekrutierung von Minderjährigen (siehe Kasten) ins Klassenzimmer geholt. Dafür wurden bisher anerkannte Prinzipien der politischen Bildungsarbeit, wie der Beutelsbacher Konsens, entkernt. Wenn ein Vertreter der Armee als Fakten-Checker auftreten kann, droht eine Situation, in welcher Kritik an staatlicher Politik nicht als Meinung, sondern als wahr oder falsch bewertet wird. Die Militarisierung der gesamten Gesellschaft mitsamt von Schulen und Hochschulen ist reaktionär und das bayerische Urteil sollte in anderen Bundesländern eine Motivation sein, die Einführung so eines Gesetzes von vornherein zu verhindern.

Zur Werbung von Minderjährigen in Bildungseinrichtungen

2016 gingen schockierende Bilder vom Tag der Bundeswehr durch die Medien. Der damalige Präsident des Reservistenverbands, Roderich Kiesewetter, erklärte dazu: „Kinder sind von Waffen fernzuhalten. (…) Warum dieser Grundsatz, der übrigens auch Vorschrift in der Bundeswehr ist, in diesem Fall offenbar missachtet wurde, können wir nicht nachvollziehen“ (Reservistenverband Pressemitteilung 16.06.2016).

2025, nur neun Jahre später, zeigte die ARD-Tagesschau ein Foto von einem Jungen, am Boden liegend, den Blick konzentriert auf das Zielfernrohr, die rechte Hand am Abzug eines Gewehres. Und in der Berliner Zeitung werden Eindrücke über den Tag der Bundeswehr beschrieben: Es geht um „Bobbycars“, „Sportbeutel mit Flecktarnmuster“ und „eine Hüpfburg, ebenfalls in Tarnfarben“ (Berliner Zeitung 3.07.2025).

Rekrutierung minderjähriger Soldaten

Ebenso normal wie die Berichterstattung über derartige Auftritte der Bundeswehr in der Öffentlichkeit scheint auch die Tatsache, dass die Bundeswehr mittlerweile 17-Jährige rekrutiert. Diese werden wie Erwachsene ausgebildet, der einzige Unterschied: „Sie werden vor der Volljährigkeit nicht in Auslandseinsätze geschickt und machen keinen bewaffneten Wachdienst“, so das zivil-gesellschaftliche Bündnis „Unter 18 nie!“. Dabei stellen minderjährige Soldaten einen eindeutigen Verstoß gegen die Bestimmungen der Pariser Prinzipien der Vereinten Nationen von 2007 dar, welche von über hundert Staaten ratifiziert wurde, darunter auch von der Bundesrepublik Deutschland.

Die Pariser Prinzipien definieren Kindersoldaten wie folgt: „‚Ein Kind, das mit einer Streitkraft oder bewaffneten Gruppe in Verbindung steht‘ bezeichnet jede Person unter 18 Jahren, die von einer Streitkraft oder bewaffneten Gruppe in irgendeiner Funktion rekrutiert oder eingesetzt wird (…). Dies bezieht sich nicht nur auf Kinder, die direkt an Feindseligkeiten beteiligt sind oder waren. (…) ‚Streitkräfte‘ bezieht sich auf die Streitkräfte eines Staates.“

Die Zahlen zur Rekrutierung von Minderjährigen stiegen in den letzten Jahren kontinuierlich. Während bundesweit jeder zehnte neue Rekrut unter 18 Jahre alt ist, waren es in Bayern im Jahr 2023 – also noch vor Einführung des oben genannten Gesetzes zur Förderung der Bundeswehr in Bayern – bereits 13,9 Prozent (BR24: Erneut mehr minderjährige Bundeswehr-Rekruten in Bayern, 31.03.2024). Seit einem Schuljahr sieht das Bayerische Unterrichtsgesetz vor, dass die Schulen mit den Jugendoffizieren der Bundeswehr zusammenarbeiten. Vor Einführung des Gesetzes warnte die GEW Bayern in einer Stellungnahme vor der verdeckten Rekrutierungspraxis an Schulen. Die Bildungsgewerkschaft sieht einen Zusammenhang „zwischen der gestiegenen Informations- und Werbearbeit der Bundeswehr bei Heranwachsenden und dem skandalösen Umstand, dass seit fünf Jahren jeweils ein Viertel aller minderjähriger Soldat*innen in Bayern rekrutiert wird“ (zit. nach Stellungnahme GEW Bayern 2024). Wir lehnen den Einsatz von sog. „Jugendoffizier*innen“ und allgemein jeden Werbeversuch für die Bundeswehr an Schulen strikt ab.

Deutsche Außenhandelsinteressen

Auch die speziell zum Vortrags-Einsatz vor jungen Menschen ausgebildeten „Jugendoffiziere“ der Bundeswehr sind keine „Experten“ wie jeder andere. So informiert die deutsche Armee auf ihrer Website über diese besonderen Offiziere: „Als Staatsbürger in Uniform bringen sich Jugendoffiziere und -offizierinnen – wie viele Bürgerinnen und Bürger – aktiv in die demokratische Willensbildung ein. (…) Außerdem verfügen sie über militärische Führungserfahrung – manchmal auch in Auslandseinsätzen – und können somit ‚aus erster Hand‘ berichten“ (Bundeswehr). Dabei ist eben dies ohne Gegenposition aus Sicht der politischen Bildung nicht zulässig.

Im Schwäbischen Kellmünz werden diese Berichte aus erster Hand sogar spielerisch vermittelt. Dort geht es nicht um politische Bildung, dort können Eltern ihre Sechs- bis Zwölfjährigen in den Sommerferien zur zweitägigen Bundeswehr-Freizeit in der örtlichen Grundschule abgeben. Veranstaltet wird diese Freizeit in Kooperation mit der nahegelegenen Kaserne in Ulm: „Aus dem NATO-Kommando der Bundeswehr in Ulm, deren Gefechtsstandstaffel das Freizeitangebot mit dem Rathaus Kellmünz anbietet, werden Auslandseinsätze, wie z. B. in Litauen oder Norwegen koordiniert“ (PM GEW Bayern 02.07.2025).

Ob die Soldatinnen und Soldaten die Kinder beim Spielen und die Jugendlichen beim Diskutieren darüber aufklären, welche eigenen Risiken sie im Auslandseinsatz in Kauf nehmen und in wessen Interessen dort für „unsere Sicherheit in Deutschland“ gekämpft wird, wie es 2010 der damalige Bundespräsident Köhler ausdrückte, muss angesichts der unterkomplexen Werbestrategie der Bundeswehr im öffentlichen Raum bezweifelt werden.

Auszug aus: Ellmann, Mark: „Augen gerade aus“. Zeitenwende in Schule und Hochschule, Staat und Gesellschaft, In: Eifler, Ulrike: Gewerkschaften in der Zeitenwende. Was tun gegen Umverteilung nach oben, massive Angriffe auf den Sozialstaat, die Militarisierung des Alltags und den Rüstungswahnsinn? VSA: Verlag Hamburg 2025

Dieser Beitrag erscheint in der ZivilCourage Ausgabe 2/2026

Kategorie: Zivilcourage Stichworte: Minderjährige bei der Bundeswehr, Rekrutierung, ZivilCourage

31.08.2026

Kampagne „Friedensfähig“ kritisiert Mittelstreckenwaffen-Pläne der Bundesregierung

Bonn, 26. August 2026 – Am 23. August 2026 wurden Details über die Pläne des Verteidigungsministeriums bekannt. Wie Politico berichtete, sollen in den kommenden Jahren 12 Mrd. € in die Entwicklung und Beschaffung von landgestützten Mittelstreckenwaffen fließen. Der Großteil, etwa 9 Mrd. €, ist für Hyperschallwaffen eingeplant, die bis Mitte der 2030er Jahre gemeinsam mit Großbritannien entwickelt werden sollen. Mit den restlichen Mitteln sollen schnell verfügbare Systeme gekauft werden. Genannt werden hier die Anthem Rakete, hergestellt vom US-israelischen Unternehmen Covenant sowie zwei Systeme aus der Ukraine.

Im Juli wurde bekannt, dass zwölf europäische NATO-Staaten in den kommenden zehn Jahren beabsichtigen, über 50 Mrd. US-Dollar für Mittelstreckenwaffen auszugeben. Deutschland würde demnach knapp 28 Prozent der Kosten übernehmen.

Die Kampagne „Friedensfähig statt erstschlagfähig. Für ein Europa ohne Mittelstreckenwaffen!“ sieht in den Plänen einen riskanten Schritt ohne klare Strategie und ohne Bemühungen zur Deeskalation. Russlands Arsenal landbasierter Mittelstreckenwaffen stellt durch viele dual-fähige, d.h. wahlweise konventionell oder nuklear bestücktbare, Systeme eine große Gefahr für Fehlkalkulationen dar. Es braucht andere Ansätze, um Russland zum Verzicht auf die Waffen zu bewegen. Einseitig auf Aufrüstung zu setzen, ist dabei kontraproduktiv.

Dazu sagt der Kampagnensprecher Simon Bödecker: „Leider lässt die Bundesregierung keinerlei Impulse für Abrüstungs- und Rüstungskontrollinitiativen erkennen. Dabei wird dies von zivilgesellschaftlicher, wissenschaftlicher und gewerkschaftlicher Seite bereits seit geraumer Zeit gefordert und von der Bevölkerung mehrheitlich unterstützt.“

Über die Kampagne
Die Kampagne „Friedensfähig statt erstschlagfähig. Für ein Europa ohne Mittelstreckenwaffen!“ ist ein Zusammenschluss von 56 Organisationen aus der Zivilgesellschaft. Die Kampagne protestiert gegen die Rückkehr landgestützter Raketen und Marschflugkörper nach Europa, klärt über ihre Risiken und Gefahren auf und fordert ein internationales Abkommen zur Begrenzung landgestützter Mittelstreckenwaffen.

Weitere Informationen zur Kampagne „Friedensfähig statt erstschlagfähig. Für ein Europa ohne Mittelstreckenwaffen!“ finden Sie unter: friedensfaehig.de.

Bei Fragen nehmen Sie bitte jederzeit Kontakt zu uns auf:

Yannick Kiesel (kom. pol. Geschäftsführer):
kiesel@dfgvk.de
01578/3452092

Kategorie: Allgemein, Pressemitteilung, Waffen & Rüstung Stichworte: Atomwaffen, friedensfähig, Hyperschallwaffen, Mittelstreckenwaffen

26.08.2026

DFG-VK fordert Gamescom ohne Bundeswehr 

Im Krieg gibt es keinen Respawn!

Die Deutsche Friedensgesellschaft – Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen (DFG-VK) kritisiert die Präsenz der Bundeswehr auf der Computerspielmesse Gamescom. Christoph Tophoven, Aktiver der DFG-VK Gruppe Köln findet: „Soldat*in ist kein normaler Beruf. Wer zur Bundeswehr geht, wird dazu ausgebildet zu töten und riskiert selbst verwundet oder getötet zu werden. Eine Ansprache von Kindern und Jugendlichen in verharmlosender Gaming-Sprache vermittelt einen völlig falschen Eindruck vom Dienst an der Waffe, ist unangemessen und verstößt gegen die UN-Kinderrechtskonvention und ergänzenden Fakultativprotokollen. Die Zahl der Minderjährigen in der Bundeswehr ist letztes Jahr auf 3.121 gestiegen. Ein neuer Höchststand. Das finden wir grundfalsch!“

Seit 2009 nutzt die Bundeswehr die Gamescom in Köln als Recruiting-Plattform. Mit gezieltem Gaming-Jargon und einer verfälschten Darstellung des Militärdienstes buhlt sie um die Gunst eines jungen Publikums. In früheren Jahren warb die Bundeswehr mit Slogans wie „Multiplayer at its best“, „Mehr Open World geht nicht“, „Entwickle deinen Skill-Tree“ oder „Camper oder Kamerad?“. Damit, so Tophoven „rücken Abenteuer und Gemeinschaftssinn in den Vordergrund – während die tödliche Realität des Dienstes an der Waffe konsequent ausgeblendet wird. Das ist eine schamlose Verharmlosung von Krieg und Streitkräften!“ 

Letztes Jahr gab die Bundeswehr über 250.000 € für den Stand, Logistik und Werbematerialien aus – Personalkosten für die Standbetreuung mit 32 Personen nicht eingerechnet.

Die DFG-VK startet zum Messestart eine Petition um Unterstützer*innen dafür zu sammeln, dass die Gamescom in Zukunft ohne Bundeswehr stattfindet. Auch die Teilnahme von Bundesnachrichtendienst und Rüstungsunternehmen wie Rheinmetall und Airbus Defence and Space wird im Aufruf kritisiert. Wer die Petition unterschreiben möchte, kann das hier tun: https://dfg-vk.de/gamescom-ohne-bundeswehr

Am Freitag (28. August 2026) und Samstag (29. August 2026) werden Aktive der DFG-VK vor der Kölner Messe (Eingang Süd/Bahnhof Deutz) gegen die Präsenz der Bundeswehr protestieren und junge Menschen über ihr Grund- und Menschenrecht auf Kriegsdienstverweigerung aufklären.

Pressemitteilung der Deutschen Friedensgesellschaft – Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen, Stuttgart, 26. August 2026

Bei Fragen nehmen Sie bitte jederzeit Kontakt zu uns auf:

Marius Pletsch (Bundessprecher/Referent der DFG-VK): pletsch@dfg-vk.de
+49176/57933842

Kategorie: Allgemein, Anti-Militarisierung, Bundeswehr abschaffen, Pressemitteilung, Rekrutierung der Bundeswehr Stichworte: Bundeswehr, Computerspiele, gamescom, Gaming, Rekrutierung, unter18nie!

25.08.2026

UNZWINGBAR – Großkundgebung am 2.10. in Berlin!

Am 2. Oktober gehen wir in Berlin auf die Straße und setzen mit einer Großkundgebung gemeinsam ein unüberhörbares Zeichen für Frieden und gegen Wehrpflicht und Aufrüstung. Neben verschiedenen thematischen Redebeiträgen wird es hochkarätige Musik-Acts geben, die die Veranstaltung zu einem Spektakel machen werden. Sei gespannt und trag es in deinen Kalender ein – bald erfährst du mehr zum Programm dieses fulminanten Events:

Unzwingbar: Kein Bock auf Krieg und Wehrpflicht!

Eine neue Generation steht auf

Warum wir genau jetzt handeln müssen, wie unser Bündnis bisher aufgebaut ist und welche konkreten Forderungen wir stellen, erfährst du hier in unserem Aufruf:

16-20 Uhr, Brandenburger Tor, Berlin

Wir wollen keine Generation Wehrpflicht sein! Das bereits verpflichtende Ausfüllen von Fragebögen, der Zwang zur Musterung und die Pläne für eine Reaktivierung der Wehrpflicht sind massive Eingriffe in die Freiheit junger Menschen. Diese Militarisierung der Gesellschaft lehnen wir entschieden ab.

Wir erleben die stärkste Aufrüstung seit dem Zweiten Weltkrieg. Bald fließt jeder zweite Euro des Bundeshaushalts in Aufrüstung und Krieg. Bezahlen müssen dafür wir alle – mit steigenden Preisen, Sozialkürzungen, zerfallenden Schulen, ungelöster Klimakrise und unterfinanzierten Krankenhäusern. Für die Bundeswehr hingegen werden Schulden in Rekordhöhen aufgenommen, um sie zur „stärksten konventionellen Armee Europas“ aufzubauen. Auf Kosten unserer Zukunft.

Junge Menschen wollen keinen Zwangsdienst leisten und nicht zum Töten ausgebildet werden. Aus diesem Grund stehen wir als Großeltern, Eltern, Freund*innen, Geschwister, Schüler*innen und junge Menschen gegen den aktuellen Kurs der Bundesregierung.

Wir gehen auf die Straße und fordern:

  • Keine Reaktivierung der Wehrpflicht!
  • Keine Rekrutierung von Minderjährigen durch die Bundeswehr!
  • Bundeswehr raus aus den Schulen, Universitäten und der Forschung!
  • Vollumfängliche Anerkennung der Kriegsdienstverweigerung als Menschenrecht und Asylgrund für Menschen weltweit!
  • Geld für Bildung, Gesundheit und Soziales statt für blinde Aufrüstung und Krieg!

Wir sind solidarisch mit allen Menschen weltweit, die sich gegen Krieg einsetzen. Deshalb ist für Menschen und Gruppen aus dem völkischen, nationalistischen, rassistischen, antisemitischen oder rechtsextremen Spektrum auf unserer Aktion kein Platz.

Veranstaltende Organisationen: Attac Deutschland, Bund für Soziale Verteidigung, Deutsche Friedensgesellschaft – Vereinigte Kriegsdienstgegner*innen, Deutsche Sektion der Internationalen Ärzt*innen für die Verhütung des Atomkrieges/Ärzt*innen in sozialer Verantwortung e.V., DGB-Jugend, NaturFreunde Deutschlands, Netzwerk Friedenskooperative, Ohne Rüstung Leben, Schulstreik gegen Wehrpflicht

Unterstützer*innen:

Aktionsgemeinschaft Dienst für den Frieden, Connection e.V., Frauennetzwerk für Frieden e.V., Friedensinitiative Nottuln, Frieden wagen e.V., pax christi, Greenpeace

Das Besondere an der Kundgebung: Wir demonstrieren nicht allein. Neben etablierten Friedensorganisationen, darunter Ohne Rüstung Leben, der DFG-VK und uns, schließt sich uns eine kraftvolle, junge Bewegung an. Schüler*innen und junge Menschen aus der Schulstreikbewegung stehen Seite an Seite mit uns auf der Straße.

Diese Brücke zwischen den Generationen ist ein starkes Signal:

  • Die Jugend fordert Zukunft statt Aufrüstung: Sie lässt sich ihre Selbstbestimmung und Träume nicht für militärische Logiken nehmen.
  • Erfahrung trifft auf neuen Schwung: Wir verbinden Jahrzehnte des Friedensengagements mit der Energie und den Aktionsformen einer jungen Generation, die für ihre Rechte streikt.

HINWEIS: Auch am 3. Oktober gehen Menschen in Berlin und Stuttgart für Frieden und Abrüstung auf die Straße. Am 4.10. soll es zudem weitere Aktionen der Schulstreikbewegung gegen die Wehrpflicht in Berlin geben.

Das Wochenende vom 2. bis 4. Oktober wird von verschiedenen friedenspolitischen Aktionen geprägt sein und die Gelegenheit bieten, sich gegen Aufrüstung und Militarisierung und für Frieden und Abrüstung zu engagieren!

Gemeinsam zeigen wir: Der Einsatz für Frieden ist dringend notwendig und betrifft uns alle – von den Schulbänken bis ins hohe Alter!

Bei Fragen nehmen Sie bitte jederzeit Kontakt zu uns auf:

Yannick Kiesel (kom. pol. Geschäftsführer):
kiesel@dfgvk.de
01578/3452092

Kategorie: Abrüstung und Konversion, Anti-Militarisierung, Bundeswehr abschaffen, Kriegsdienstverweigerung, Militaristische Traditionspflege, Pazifismus und Antimilitarismus, Rekrutierung der Bundeswehr, Schulfrei für die Bundeswehr, Umrüstung der Bundeswehr, Waffen & Rüstung Stichworte: 2.10., Berlin, Demonstration, Kriegsdienstverweigerung, Schulstreik, Wehrpflicht

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